Anämie
(Blutarmut)
Diese Wörter hat wohl jede(r) von uns schon einmal gehört. Die Anämie hat viele Gesichter und kann ihren Ursprung in vielen verschiedenen Erkrankungen finden. Denn sie ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern eher ein Symptom verschiedener Krankheiten. Um ein wenig aufzuräumen, habe ich diesen Beitrag hier geschrieben. Es geht um die verschiedenen Formen der Anämie und ihren Ursachen, die Symptome und ihre Diagnostik. Ich wünsche Dir viel Spaß beim Lesen, let’s go!
Ursachen einer
Anämie
Wie oben bereits erwähnt, gibt es viele Arten der Anämie und somit auch viele verschiedene Ursachen. Wir wollen mal damit anfangen, die Arten der Blutarmut nach ihren Ursachen zu sortieren, damit ein wenig Struktur rein kommt.
Blutungsanämie
Das ist wohl am Einfachsten zu verstehen; Man erleidet einen großen Blutverlust und somit entsteht vorübergehend eine Anämie. So lange, bis die Zellen im Knochenmark wieder genügend Blutkörperchen gebildet haben. Ursächlich kann zum Einen natürlich ein Unfall sein oder eine große, lange OP. Andererseits kann aber auch die Menstruation bei uns Frauen der ausschlaggebende Punkt sein, zusätzlich können innere Blutungen, wie ein Magengeschwür, Hämorrhoiden oder Tumore zu einer Blutarmut führen, wenn sie lange andauern und nicht behandelt werden.
Hämolytische Anämie
Hierbei handelt es sich um eine Form der Anämie, bei der die Erythrozyten frühzeitig „absterben“ bzw. übermäßig viele Blutkörperchen abgebaut werden. Grund hierfür kann z.B eine Infektionskrankheit (Malaria/ HUS), Medikamente (Penicillin), eine Bluttransfusion mit der falschen Blutgruppe, oder aber eine künstliche Herzklappe sein (die Erys prallen an ihr ab und sterben so). Es gibt auch angeborene Krankheiten , die diese Art von Anämie hervorrufen, sie sind jedoch sehr selten (z.B. Favismus, Kugelzellanämie, Sichelzellanämie).
Blutbildungsstörung
Hier wird es schon etwas komplizierter. Die Blutbildung kann nämlich durch viele Faktoren gestört werden. Erstmal müssen wir dafür die grobe Physiologie verstehen: Die Blutzellen werden im Knochenmark gebildet. Das Knochenmark wird durch das Hormon „Erythropoetin“ zur Blutbildung angekurbelt, welches aus der Niere kommt. Zusätzlich sind Vitamine wie Vitamin B12 oder Folsäure außerordentlich wichtig für den Stoffwechsel unserer Zellen. Um Vit.B12 aufnehmen zu können, benötigen wir den Intrinsic Faktor, der im Magen gebildet wird. Hinzu kommt, dass die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) ja Sauerstoff transportieren sollen. Das können sie nur, wenn sie genügend Eisen binden können, welches wiederum den Sauerstoff bindet.
So viel zur Blutbildung. Nun gehts weiter mit den Formen der Anämie durch Blutbildungsstörungen:
Eisenmangel/
Eisenverwertungsstörung
Der Eisenmangel ist gerade bei Frauen wohl schon fast „normal“. Ich glaube, jede meiner Freundinnen hat bzw. hatte mal einen Eisenmangel, ich natürlich auch. Doch wie kommt es dazu? Auch hier gibt es wieder viele Ursachen; Zum Einen haben wir Frauen natürlich jeden Monat unsere Periode, was es nicht gerade einfacher macht, den Eisenhaushalt stabil zu halten. Zum Anderen gibt es Situationen, in denen mehr Eisen gebraucht wird, z.B. bei einer Schwangerschaft oder wenn man Hochleistungssport ausübt (weil wir dabei mehr Sauerstoff benötigen). Zudem ist eine zu geringe Eisenaufnahme natürlich auch nicht gerade vorteilhaft, wir sehen das oft bei Vegetariern/-innen, aber auch bei Fleischessern! Zu guter Letzt kann auch noch eine Resorptionsstörung im Darm ursächlich für einen Eisenmangel sein.
Übrigens „verbrauchen“ Tumore und chronische Entzündungen auch sehr viel Eisen, was auch zu einer Eisenmangel-Anämie führen kann!
Megaloblastäre Anämie
„Was soll das jetzt heißen?“ fragst Du dich sicherlich. Eigentlich sehr einfach: „Blasten“ sind die Vorstufe der ausgereiften Zellen. „Megaloblasten“ sind also zu große Blasten der Erythrozyten. Sie enthalten dementsprechend auch zu viel Hämoglobin. Doch wie kommt es zu solchen Fehlbildungen? Ein Vitamin B12- oder Folsäuren-Mangel kann hierfür ausschlaggebend sein. Der Grund hierfür ist, dass sowohl Folsäure, als auch Vitamin B12 für den Stoffwechsel der Zellen und den DNA-Aufbau zuständig sind. Wenn hier etwas schief läuft, kommen auch andersartige Zellen bei der Zellteilung heraus.
Vitamin B12 nehmen wir ausschließlich durch tierische Nahrung zu uns, es wird durch den Intrinsic- Faktor aus dem Magen dann im Darm resorbiert. Falls man sich also sehr streng vegan ernährt, kann dies zum Vit.B12 Mangel führen. Außerdem können Krankheiten im Magen/ Darm der Grund für eine megaloblastäre Anämie sein, denn wenn hier kein Intrinsic-Faktor mehr gebildet wird, kann das Vitamin B12 auch nicht mehr aufgenommen werden. Folsäure-Mangel entsteht oft bei schwangeren Frauen, Fehlernährung oder aber bei Alkoholikern.
Aplastische Anämie
Hier kann man alle Anämie-Formen aufzählen, die sonst noch wegen einer fehlerhaften Blutbildung entstehen können. Neben allgemeinen Knochenmarksdefekten durch Strahlungen, Medikamenten oder Giften, kommt z.B. auch der Mangel an Erythropoetin hinzu. Dieses Hormon beauftragt die Knochenmark-Zellen mit der Blutzellen-Bildung. Wenn es gar nicht oder nur geringfügig von den Nieren produziert wird, wird somit auch die Blutbildung gehemmt. Das heißt, auch eine Niereninsuffizienz kann ausschlaggebend für eine Anämie sein.
Symptome der
Anämie
So wie die Ursachen, sind auch die Symptome der Anämie je nach Form unterschiedlich. Trotzdem kann man allgemeine Anämie-Symptome erkennen, zu denen die spezifischen Symptome dann hinzu kommen.
Typische Symptome
bei Blutarmut erkennen
Zu den allgemeinen Symptomen zählen: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsminderung, Kopfschmerzen, Blässe, Kälteintoleranz, Tachykardie (zu hoher Puls), Schwindelgefühle, Atemnot bei geringer Anstrengung.
Hämolytische Anämie: Symptome
Bei der hämolytischen Anämie kommt es zum übermäßigen Zerfall der Erythrozyten. Das bedeutet, dass die Leber und die Milz viel mehr mit dem Abbau der Erys zu tun haben, als sie eigentlich sollten. Durch diese Überarbeitung fangen sie an, sich zu vergrößern, was zu Schmerzen und anderen Symptomatiken führen kann. Die Vergrößerung der Milz hißt „Splenomegalie“, die der Leber heißt „Hepatomegalie“. Zu diesem Unglück kommt noch eine erhöhte Neigung zu Thrombosen hinzu, da sehr viel Zellgewebe im Blut ist und somit einfacher Thromben entstehen können. Des Weiteren können Gallensteine durch den erhöhten Abbau von Bilirubin in der Leber entstehen. Da Bilirubin ein Farbstoff ist, nennen sich diese Steine dann auch „Pigmentgallensteine“.
Eisenmangelanämie: Symptome
Beim Eisenmangel entstehen die allgemeinen Symptome der Anämie, sowie spezielle äußere Erscheinungen, die man auf den ersten Blick super gut erkennen kann: „Mundwinkelrhagaden“ sind eingerissene Mundwinkel, eine „Glossitis“ bezeichnet eine rote, brennende Zunge, brüchige Nägel und struppige, ausfallende Haare haben wir bei dieser Form der Anämie auch noch. Also falls Du betroffen bist, lass gern mal Dein Blut auf Eisenmangel abchecken!
Megaloblastäre Anämie: Symptome
Diese Anämie umfasst sowohl die allgemeinen Anämie-Symptome, als auch die hämolytischen. Hinzu kommen bei einer megaloblastären Anämie (wir erinnern uns: Da wo Vitamin B12 oder Folsäure fehlt) neurologische Symptome wie Sensibilitäts- und Gangstörungen. Das passiert, weil Vitamin B12 und Folsäure für die Schutzschicht unserer Nerven zuständig sind. Wenn sie zu wenig Schutz haben, leiten die Nerven auch nicht mehr richtig und es entstehen neurologische Ausfälle.
Diagnostik: Anämie
Man kann die Anämie Formen auch nach ihren Laborergebnissen einteilen bzw. benennen. Denn im Labor wird genau gesehen, wie die Erythrozyten aussehen und mit wieviel Eisen bzw. Hämoglobin sie so bepackt sind (Einmal zur Erinnerung: Ein rotes Blutkörperchen trägt Hämoglobin in sich, welches wiederum Eisen bindet. Das Eisen kann den Sauerstoff super leicht aufnehmen und auch wieder abgeben).
„Hypochrom“ bedeutet zu wenig Eisen bzw. Hämoglobin. „Hyperchrom“ ist das Gegenteil und zwar zu viel Eisen/ Hämoglobin. „Makrozytär“ bedeutet zu große Zellen, „Mikrozytär“ wieder das Gegenteil, nämlich zu kleine Zellen.
Wenn Du die Abkürzungen und Bedeutungen der Begriffe, die ich gleich nenne, nicht kennst, schaue gern nochmal meinen Beitrag zur Diagnostik des Bluts an. Dort erkläre ich Dir alle Werte ganz einfach und ausführlich!
- Eisenmangelanämie = hypochrome, meist mikrozytäre Anämie: Erniedrigter MCH-, MCV-, MCHC-, Eisen- und Ferritin-Wert. Erhöhter Transferrin-Wert.
- Megaloblastäre Anämie = hyperchrome, makrozytäre Anämie: Erhöhter Eisen-, MCH-, MCV- und MCHC-Wert. Erniedrigter Thrombozyten-, Leukozyten- und Erythrozyten-, Vitamin B12- und/ oder Folsäure-Wert.
- hämolytische Anämie = normochrome, normozytäre Anämie: Erhöhter Eisen-, Ferritin-, Transferrinsättigungs-Wert. Erniedrigter Hämoglobin- und Transferrin-Wert. Normaler MCH, MCV und MCHC.
FAQ
Anämie, auch Blutarmut genannt, ist eine Erkrankung, bei der der Körper zu wenig rote Blutkörperchen oder Hämoglobin hat. Dadurch wird weniger Sauerstoff zu den Zellen transportiert, was zu Symptomen wie Müdigkeit, Blässe und Leistungsabfall führen kann.
die häufigste Ursache ist Eisenmangel, z.B. durch eine unausgewogene Ernährung, Blutverlust (Menstruation/ Magen-Darm-Blutungen) oder erhöhter Bedarf in der Schwangerschaft. Auch ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure kann zu Anämie führen.
Typische Symptome einer Anämie sind Müdigkeit, Blässe, Schwindel, Herzklopfen, Konzentrationsstörungen und Kurzatmigkeit. Bei länger bestehender Anämie können auch brüchige Nägel und Haarausfall auftreten.
Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Bei Eisenmangel hilft meist eine Eisensupplementierung, bei Vitaminmangel werden Vitamin B12 oder Folsäure ergänzt. In schweren Fällen kann eine Bluttransfusion nötig sein.
Die Diagnose erfolgt über eine Blutuntersuchung. Typische Labortwerte, die überprüft werden, sind der Hämoglobinwert (Hb), das MCV (mittleres Volumen der roten Blutkörperchen) und das Ferritin zur Einschätzung des Eisenspeichers.

Hi! Mein Name ist Anna, ich bin gelernte Physiotherapeutin und Heilpraktikerin und komme aus dem wunderschönen Hamburg. Mit diesem Blog will ich Dir all mein gelerntes Wissen aus dem Unterricht, den Skripten, Fachbüchern und Fortbildungen näher bringen. Denn ich finde: Medizin sollte einfach und verständlich erklärt werden! Viel Spaß beim Durchstöbern! 🙂

