Anatomie der Leber

Alle, die die Leber lernen müssen, sind erstmal ziemlich überfordert. Sowohl von der Anatomie der Leber, als auch von den ganzen Funktionen dieses Organs. Natürlich gehörte ich auch zu denjenigen, klar. Aber genau wegen dieser Situationen habe ich meine Begeisterung für unsere Wundermaschine entwickelt. Die Bauweise der Leber (und auch ihrer Funktionen) ist der absolute Hammer! Die Natur hat diesem Organ jedenfalls ein ordentliches Paket an Extravaganz mitgegeben. Es ist das größte parenchymatöse Organ (das Parenchym ist funktionsträchtiges Gewebe, also alles hat eine Funktion!) und mit seinen 1,5kg auch die größte Anhangsdrüse des Darms! Sie liegt intraperitoneal, ist also vom Bauchfell umgeben.

Also let´s go, lass uns die wundersame Anatomie der Leber näher betrachten!

Lage der Leber

Erstmal starten wir mit den unkomplizierten Fakten: Die Lage der Leber. Wo liegt sie genau?

Sie befindet sich unter dem Zwerchfell, hauptsächlich im rechten Oberbauch. Unter ihr sind die Gallenblase, der Magen, der Zwölffingerdarm, Teile des Dickdarms (also die Biegung zwischen Colon ascendens und Colon transversum, hier gelangst Du zu meinem Beitrag zum Aufbau des Dickdarms), sowie die rechte Niere. Vor ihr liegt natürlich das Bauchfell, aber zum Teil auch die Rippen, sie ragt also aus dem Brustkorb heraus. Hinter der Leber haben wir die Aorta, die untere Hohlvene und die Wirbelsäule.

Grobe Anatomie der Leber

Der grobe Aufbau der Leber ist mit den ganzen Lappen und Segmenten schon das Erste, was etwas komplizierter wird. Aber wir gehen da zusammen durch und wenn Du es einmal verstanden hast, ist es auch gar nicht mehr so schwer, versprochen! 🙂

Also. Erstmal teilen wir die Leber in zwei große und zwei kleine Leberlappen ein. Die großen Lappen nennen sich ganz einfach „rechter“ und „linker Leberlappen“, oder wenn du angeben möchtest „Lobus dexter“ und „Lobus sinister“. Der rechte Lappen ist größer, als der linke. Die beiden Lappen sind durch das Ligamentum falciforme und das Ligamentum teres hepatis voneinander getrennt. Das Lig. Falciforme siehst Du nur von vorne und es ist mit der Unterseite des Zwerchfells verbunden. So weit, so gut. Von unten sehen wir allerdings auch noch zwei andere Lappen, die etwas kleiner sind. Sie nennen sich „Lobus caudatus“ und „Lobus quadratus“. Die sind wirklich nur von unten zu sehen! Zwischen den zwei kleinen Lappen liegt noch die Leberpforte. Hier treffen sich die Gefäße, um ein- bzw. auszutreten.

Wer darf eintreten? Die Leberarterie, die Pfortader, Lymphgefäße und Nerven!

Wer darf austreten? Die zwei Gallengänge (rechter und linker) für den Gallenabfluss!

-> Man kann die Leber auch noch in acht funktionelle Untereinheiten aufteilen. Das machen wahrscheinlich aber eher die Chirurgen, die das Ding operieren müssen. Die Grenzen für die Segmente liegen entlang der größeren Venen (V. hepatica dextra, intermedia und sinister), der Pfortader (horizontale Trennlinie) und der Gallenblase (vertikale Trennlinie).

Anatomie der Leber

Feinbau der Leber

Jetzt gehts ins Eingemachte! Die feine Anatomie der Leber ist zwar echt nicht so einfach aber dafür umso grandioser! Wirklich, stell Dir vor, das hat sich einfach alles so entwickelt! Mit viel Euphorie fällt es Dir auch leichter, den Lernstoff zu behalten 😉

Leberläppchen

Wir fangen grob an und gehen dann immer weiter ins Detail. Erstmal besteht die Leber aus vielen, vielen sechseckigen Leberläppchen (1-1,5 Millionen). Jeweils drei dieser Leberläppchen haben immer eine Verbindungsstelle, welche sich auch „Periportalfeld“ nennt. Dazu aber später mehr. Stell Dir vor, ein Leberläppchen ist ein sechseckiges Haus. An einer Ecke dieses Hauses sind zwei weitere Ecken von zwei Nachbarhäusern.  Schau Dir gern das Bild unten an, dann siehst Du, was ich meine. Da, wo sich die drei Hausecken treffen, ist das Periportalfeld.

Lebersinusoid und Disse-Raum

Ein Haus, also ein Leberläppchen, besteht aus vielen, strahlenförmigen Lebersinusoiden. Wir sprechen jetzt mal von den Räumen. Unsere Räume sind die Kapillaren der Leberarterie und der Pfortader, also die kleinsten Ausläufer dieser Gefäße. Sie kommen von außen durch das Periportalfeld und senden dann immer eine Abzweigung in das Leberläppchen hinein. Diese Abzweigung verläuft nun bis zur Mitte, zu der Zentralvene. Die Wände zwischen den Räumen bestehen aus Leberzellen und dem Disse-Raum. Der Disse-Raum ist immer zwischen Wand und Raum. Also: Raum – Disse-Raum – Wand – Disse-Raum – Raum usw. Und dann dachte sich die Leber: „Wir packen nochmal einen drauf!“ und entwickelte sogar noch mehrere Etagen! Also haben wir jetzt ein mehrstöckiges, sechseckiges Haus mit Räumen auf jeder einzelnen Etage. Stell Dir meine Zeichnung unten also mehrstöckig vor.

Zentralvene

Die Zentralvene ist in der Mitte eines jeden Leberläppchens und sammelt so von allen Etagen und von allen Sinusoiden eines Leberläppchens das sauerstoffarme Blut. Der Sauerstoff wurde nämlich bereits von den Leberzellen aufgenommen, es bleibt nun also nur noch venöses Blut über. In unserem Beispiel wäre die Zentralvene jetzt also das zentrale Abwasserrohr, welches von allen Etagen und Räumen eines Hauses das Abwasser sammelt und weg leitet. Davor wurden dem Wasser die Nährstoffe und der Sauerstoff abgezwackt, und zwar durch die Wände der Räume. Die Zentralvene geht nach unten und schließt sich dann der unteren Hohlvene an, welche zum Herzen führt. Doch woher kommt das frische Wasser?

Periportalfeld und Glisson-Trias

Aus dem Periportalfeld! Wie oben erwähnt, treffen sich die Ecken von jeweils drei Häusern immer am Periportalfeld. Hier treten zwei Rohre mit Frischwasser in jedes einzelne Haus und auch in jede einzelne Etage ein, nämlich ein Rohr der A. hepatica und eins der Vena portae. Die Leberarterie (A. hepatica) bringt Sauerstoff und die Pfortader (V. portae) bringt Nährstoffe. Dadurch, dass es im Sinusoid jetzt Nährstoffe UND Sauerstoff gibt, werden die Leberzellen also bestens versorgt, was auch notwendig ist! Denn die Leber hat vieeeeeele Aufgaben, mehr dazu in meinem Beitrag zu den Funktionen der Leber.

Gallenkapillaren

Außerdem tritt im Periportalfeld immer ein Rohr aus. Dieses Rohr ist die  Gallenkapillare. Viele kleine Gallenrohre aus den Wänden (sie verlaufen zwischen den Leberzellen) sammeln die Gallenbestandteile und leiten sie dann zum Periportalfeld, wo das große Gallenrohr austritt. Die Gallenflüssigkeit fließt immer entgegengesetzt zum Blut, also vom Zentrum nach außen. Sie wird dann zur Gallenblase weitergeleitet.

Die drei Rohre (A. hepatica, Pfortader und Gallenkapillare) zusammen nennen sich auch „Glisson-Trias“.

Nochmal zusammengefasst:

Abfluss in jedem einzelnen Haus = Zentralvene

Frischwasser für drei Häuser und jede einzelne Etage= im Periportalfeld durch A. hepatica und Pfortader

Abfluss für drei Häuser und jede einzelne Etage = im Periportalfeld durch Gallenkapillare

Disse-Raum

Der Disse-Raum liegt, wie oben bereits beschrieben, zwischen den Wänden und den Räumen, also zwischen Leberzellen und Sinusoiden. Hier befinden sich sogenannte Kupfer-Sternzellen, sie sind Abwehrzellen. Wenn also Bakterien, Fremdstoffe oder Zelltrümmer im Blut der Sinusoide sind, nehmen die Kupfer-Sternzellen diese auf und vernichten sie. Wir können sie uns als Filtersystem für das Wasser vorstellen. Zwischen den einzelnen Abwehrzellen sind kleine Poren, die die Nährstoffe aus dem Blut aufnehmen.

Durch den Disse-Raum ist also eine Entgiftung des Bluts und die Aufnahme von Nährstoffen und Sauerstoff möglich.

feine Anatomie der Leber

Blutversorgung der Leber

So. Jetzt weißt Du schon mal viel mehr, als am Anfang oder? Sehr gut! Nun sprechen wir nochmal über die Blutversorgung der Leber, die für Dich jetzt Pippifax werden wird, denn Du hast die Anatomie ja schon verstanden.

Nur etwa 25% des zukommenden Blutes stammt aus der Leberarterie (A. hepatica). Die Leberarterie entspringt vom „Truncus coeliacus“, welcher ein Ast der Bauchaorta ist. Deswegen ist es reich an Sauerstoff, es wurde ja kurz vorher erst von der Lunge mit Sauerstoff angereichert, durchs Herz gepumpt und dann direkt in die Aorta geleitet. Die restlichen 75% des Blutes bekommt die Leber von der Pfortader (V. portae), welche bereits alle Nährstoffe aus den einpaarigen Bauchorganen (Magen, Dünndarm, Bauchspeicheldrüse, Milz) gesammelt hat. Nun bringt sie diese Nährstoffe zur Kontrolle und Weiterverarbeitung zur Leber, welche sie dann weiter im Körper verteilt oder erstmal speichert.

Nochmal zusammengefasst:

25% = Aorta -> Leberarterie -> Periportalfeld -> Sinusoide -> Nach Sauerstoffabnahme weiter in die Zentralvene -> untere Hohlvene -> Herz

75% = Gefäße der einpaarigen Organe -> Pfortader -> Portalfeld -> Sinusoide -> Nach Nährstoffabnahme weiter in die Zentralvene -> untere Hohlvene -> Herz

Puuuuuh ganz schön viel! Ich hoffe, Du hast die Anatomie der Leber jetzt drauf. Falls Du doch noch ein wenig mehr Hilfe benötigst, ist hier ein schönes Video für Dich.

Schreib mir was Du denkst!