Aortenklappen-
stenose und
-insuffizienz

Die Aortenklappe ist neben der Mitralklappe die am häufigsten von Klappenfehlern betroffene Herzklappe. Sie liegt zwischen der linken Kammer und der Aorta und hat die Aufgabe, das Blut aus dem Herzen in den Körperkreislauf (Aorta) zu geben. Und das im richtigen Takt und in der richtigen Menge! Wenn sie dies nicht schafft, liegt es entweder an einer Aortenklappenstenose oder einer Aortenklappeninsuffizienz (Wenn Du erstmal die Grundlagen des Herzens verstehen möchtest, kannst Du gern meine Beiträge über die Anatomie des Herzen und die Physiologie des Herzen lesen).

Wir schauen uns jetzt erstmal an, was ein Klappenfehler überhaupt ist und tauchen dann ab in die Aortenklappenstenose, sowie die Aortenklappeninsuffizienz, let’s go!

Klappenfehler

Unsere Herzklappen sind grob gesagt dafür da, das Blut im Herzen zum richtigen Zeitpunkt in die nächste Station zu schicken. Dies passiert passiv durch den vom Blut bzw. der Herzmuskulatur ausgeübten Druck. Wenn die Vorhofmuskulatur beispielsweise anspannt, versetzt das die Segelklappen durch das in den Vorhöfen befindliche Blut so sehr unter Druck, dass sie nachgeben und das Blut in die Kammern passieren lassen. Zwischen Vorhöfen und Kammern liegen die Segelklappen (Mitralklappe und Tricuspidalklappe), zwischen Herz und abführenden Arterien liegen die Taschenklappen (Aortenklappe und Pulmonalklappe). Im Grunde genommen können alle dieser Klappen von Klappenfehlern betroffen sein.

Klappenstenose

Hier kann sich die Klappe nicht mehr richtig öffnen, sie lässt also nicht mehr genügend Blut durch. Hinzu kommt, dass das Herz so sehr gegen den Druck ankämpfen muss, dass es dadurch zusätzlich eine Herzinsuffizienz entwickeln kann.

Klappeninsuffizienz

Bei einer Insuffizienz passiert das Gegenteil; Die Klappe kann nicht mehr ordentlich schließen, womit das Blut immer hin und her pendeln kann, man nennt es dann auch „Pendelblut„. Das bringt das Herz natürlich ziemlich durcheinander, es will ja die normale Menge an Blut weiterbefördern, und letztlich entsteht auch hier die Möglichkeit einer Herzinsuffizienz.

Aortenklappen-
stenose

Die Aortenklappenstenose ist folglich die Stenose der Aortenklappe, wodurch nicht mehr genügend Blut in die Aorta befördert werden kann und die linke Kammer gegen einen erhöhten Druck „ankämpfen“ muss. Das schafft sie übrigens meist über einen sehr langen Zeitraum! Erst Ü70 Herzen entwickeln dann Symptome. Davor wird der erhöhte Druck durch eine erhöhte Arbeitsleistung der Kammermuskulatur kompensiert, der Mensch merkt also gar nichts von seinem Makel.

Symptome
Aortenklappenstenose

Wie oben erwähnt, kommen die Symptome der Aortenklappenstenose erst sehr spät, dafür ist die Entwicklung dieser aber umso schneller! Die Betroffenen klagen über eine schnelle Ermüdbarkeit, Schwindel und Synkopen (Ohnmachtsanfälle). Außerdem benennen sie eine Angina Pectoris (= Brustenge; entsteht dadurch, dass die Koronararterien nicht mehr vernünftig versorgt werden). Meist folgen zudem noch Zeichen der Linksherzinsuffizienz (Atemnot, Asthma cardiale, Lungenödeme, Leistungsabfall).

Diagnostik
Aortenklappenstenose

In der Auskultation (Abhören) des Herzen fällt ein sogenanntes Systolikum auf. Dies ist ein pathologisches Herzgeräusch, welches während der Systole auftaucht. Es entsteht dadurch, dass das Blut nicht gleichmäßig, fließend durch die Aortenklappe gelangt, sondern mit viel Druck von der Kammermuskulatur durch eine kleine, sklerosierte Öffnung. Das Systolikum wird sogar noch bis in die Halsschlagadern fortgeleitet. Zudem fällt ein gespaltener zweiter Herzton auf und eine kleinere Blutdruckamplitude (systolischer und diastolischer Wert näher beieinander); Da die linke Kammer nun keinen hohen Druck mehr auf die Gefäßwand der Aorta bringen kann, ist der systolische Wert erniedrigt. Dadurch kommt er dem diastolischen Wert näher.

Hinzu kommen, wie immer, ein EKG, Röntgenaufnahmen des Brustkorbs und Herzkatheteruntersuchungen.

Hier findest Du ein super tolles Video, in dem man die Geräusche und Töne bei einer Aortenklappenstenose hört!

Aortenklappen-
insuffizienz

Die Insuffizienz der Aortenklappe entsteht meist durch ein rheumatisches Fieber (hier werden Antikörper gebildet, die sich nach einiger Zeit gegen die Herzzellen wenden), einer bakteriellen Endokarditis oder auch einer Syphilis. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die Aortenklappe nicht richtig schließt, wodurch das Blut wieder in die linke Kammer zurückfließt (Pendelblut). Die Kammer wird dadurch überfordert und es entwickelt sich eine Insuffizienz links.

Symptome Aortenklappen-
insuffizienz

Eine Aortenklappeninsuffizienz kann, so wie die Aortenklappenstenose, sehr lange symptomfrei bleiben, da die Kammer noch Einiges ausgleichen kann. Wenn es zu Symptomen kommt, dann findet man auch hier eine schnellere Ermüdbarkeit, sowie Atemnot bei leichter Belastung. Hinzu kommen Angina Pectoris (Brustenge) und eventuell die Symptome einer Linksherzinsuffizienz (Lungenödeme, Zyanosen, Asthma cardiale…).

Diagnostik Aortenklappen-
insuffizienz

Bei der Auskultation hören wir ein Diastolikum, also ein pathologisches Herzgeräusch in der Diastole, sowie einen gespaltenen 1. Herzton. Der gespaltene erste Herzton entsteht dadurch, dass sich die Mitralklappe früher schließt, als die Tricuspidalklappe (Das Blut in der linken Kammer wird schneller hinausbefördert, als das in der rechten Kammer. Somit schließt sich die Mitralklappe auch früher). Im Röntgen fällt eine hypertrophe linke Kammer auf, das Herz sieht dann schuhförmig aus. Im Gegensatz zur Aortenklappenstenose, haben wir hier eine große Blutdruckamplitude mit einem sehr niedrigen diastolischen Wert und einem höheren systolischen Wert. Außerdem kann man einen sogenannten Kapillarpuls erkennen (hier sieht man den Puls an den Fingernägeln, wenn man leicht drauf drückt).

Hier findest Du ein Video, in dem man super die Geräusche und Töne bei einer Aortenklappeninsuffizienz hört!