Was ist eigentlich Bilirubin?

Eine schöne Frage! Bilirubin ist vereinfacht gesagt ein Farbstoff in unserem Körper. Es ist für die gelblich-bräunliche Farbe der Gallenflüssigkeit und auch für die gelbliche Farbe unseres Urins zuständig. Doch woher kommt das Zeug und was macht der Körper genau damit? Das klären wir jetzt! Let’s go! 🙂

Herkunft des Bilirubins

Du weißt sicherlich schon, dass wir rote und weiße Blutkörperchen in unserem Kreislauf haben. Wir konzentrieren uns jetzt auf die Erythrozyten, also den roten Blutkörperchen. Diese bestehen nämlich unter Anderem aus dem sogenannten Hämoglobin, welches in der Lage ist, Sauerstoff zu binden. Somit haben die roten Blutkörperchen die Aufgabe, den Sauerstoff huckepack zu nehmen und dann zur Zielzelle zu befördern, um ihn dort abzuwerfen. Das Hämoglobin ist der rote Farbstoff der Erythrozyten.

Nun haben unsere kleinen roten Blutkörperchen keine Haltbarkeit von einem ganzen Menschenleben, sondern nur von 120 Tagen. Dann werden sie in der Milz abgebaut. Hier wird das Hämoglobin vom Eisen getrennt, aus dem Hämoglobin wird „Biliverdin„. Biliverdin wird noch in der Milz zu Bilirubin umgebaut, welches erstmal wasserunlöslich ist. Um es transportieren zu können, benötigen wir also eine andere Verbindung. Hier kommt nun das Albumin ins Spiel. Dieses bindet direkt an das wasserunlösliche Bilirubin und schleppt es zur Leber.

Bilirubin und die Leber

In der Leber kommt das Bilirubin nicht mehr mit dem Albumin zusammen an, das ist vorher bereits abgehauen. Bilirubin braucht jetzt aber wieder einen Partner, weil allein will es nicht leben 🙁 (und kann es auch nicht, weil es ist ja noch nicht wasserlöslich). So bindet es an die sog. „Glucuronsäure„. Diese hilft dem unkonjugierten Bilirubin nun wasserlöslich zu werden, das heißt dann „Konjugation„. Man könnte es auch den „Independence-Day des Bilirubins“ nennen, denn jetzt ist es wasserlöslich (also „konjugiert“, wenn du schlau wirken willst) und kann allein durch die Gegend schwimmen. Dieses konjugierte Bilirubin (oder auch „direktes Bilirubin„) wird nun von den Gallengängen in der Leber aufgenommen und als Teil des Gallensafts zum Zwölffingerdarm geleitet.

Ein Teil des nun wasserlöslichen Bilirubins wird in der Dünndarm-Schleimhaut zurück ins Blut resorbiert, kommt dann durch die Pfortader zur Leber, hier ist es dann in den Lebersinusoiden. Diese schicken es dann nicht wieder in die Gallengänge, sondern lassen es in den Blutkreislauf passieren. Von der Niere wird es dann raus gefiltert und durch den Urin ausgeschieden.

Der andere Teil wird durch Darmbakterien nochmal umgewandelt, nämlich zu Urobilin(-ogen). Dieses wird zu 20% über den enterohepatischen Kreislauf rückresorbiert und durch den Urin ausgeschieden. Die anderen 80% jedoch verbleiben im Darm und werden zu Sterkobilin(-ogen) umgebaut, welches dann durch den Stuhl ausgeschieden wird.

Das Bilirubin färbt unseren Urin und unsere Gallenflüssigkeit gelb.

Das Sterkobilin färbt unseren Stuhl braun.

bilirubin

Bilirubin Messwerte

Wie wir nun gelernt haben, gibt es das direkte und das indirekte Bilirubin. Im Blutserum wird zum Einen das direkte und zum Anderen das Gesamtbilirubin gemessen. Das indirekte Bilirubin wird dann errechnet (= Gesamtb. – direktes B.). So kann man feststellen, woher z.B. ein Ikterus kommt, denn die Werte eines prä-/ intra-/ posthepatischen Ikterus unterscheiden sich voneinander. Die Normwerte sind folgende:

Gesamtbilirubin: < 1mg/dl

Direktes Bilirubin: < 0,25mg/dl

Gelbsucht/ Ikterus

Die Gelbsucht kennt wohl jeder von uns. Manche waren schon als Baby betroffen (ich übrigens auch, die Fotos von mir als Neugeborenes sehen sehr witzig aus) und kommen mit einer bräunlich/ gelblichen Hautfarbe zur Welt. Andere leiden unter schweren Erkrankungen und entwickeln dadurch den Ikterus.

Allgemein kann man sagen, dass sich bei einer Gelbsucht die Haut und auch das Weiße in unseren Augen gelb färbt. Dies passiert durch Fehler bei der oben beschriebenen Verarbeitung des Bilirubins. Das Bilirubin setzt sich dann in der Haut und den Augen ab und es entsteht die gelbe Verfärbung. Wenn Du mehr dazu wissen möchtest, lies gern meinen Beitrag zum Ikterus und seinen Formen.