Blutdruck und Blutdruckregulation einfach erklärt

Einfach erklärt: Blutdruck und Blutdruckre-
gulation

Man kann es kaum oft genug erwähnen: Schon wieder ein Thema, das wahnsinnig spannend ist und, wenn man mal wirklich drüber nachdenkt, unglaublich schlau von unserer Wundermaschine gemacht! Sowohl der Blutdruck an sich, als auch die Blutdruckregulation sind unvermeidlich für unser Überleben.

Allgemeines über das Blut und den Blutdruck

Das Blut ist, wie Du weißt, unser „Lieferando“ im Körper. Es bringt die aufgenommenen Nährstoffe zu den Orten, die sie brauchen. Von der Lunge wird Sauerstoff in jede einzelne Zelle gebracht. Vom Darm aus transportiert das Blut Nährstoffe aus der Nahrung. Je nachdem, wo mehr oder weniger Sauerstoff bzw. Nährstoffe benötigt werden, wird auch mehr oder weniger Blut hingeschickt. Und das alles durch unsere körpereigene Blutdruckregulation, ohne, dass wir es merken oder aktiv irgendetwas machen müssen! Cool, oder?

Unser Blutdruck spielt eine sehr wichtige Rolle hierbei. Denn, um wirklich jedes Organ und jeden Muskel versorgen zu können, muss ein gewisser Druck in den Arterien und Venen bestehen, sonst würde es irgendwo versacken und nicht mehr vom Fleck kommen. Andersherum, wenn ein zu großer Druck bestünde, würden Organe und Gefäße Schäden davontragen. Klinisch reden wir immer über den Druck des Bluts auf die Gefäßwände in den größeren Arterien. Der durchschnittliche Wert liegt bei 100mmHg. Systolisch (also wenn das Herz das Blut in den Körper pumpt) sind wir bei 120mmHg. Diastolisch (also wenn das Herz sich entspannt und sich mit Blut füllt) haben wir einen Wert von 80mmHg. Der Durchschnitt von beidem ist 100mmHg. Gemessen sind diese Werte in der Aorta im Ruhezustand. Hier (unter Anderem) sind Wachposten aufgestellt, sogenannte Pressorezeptoren, welche jede Blutdruckänderung wahrnehmen und direkt petzen gehen, damit der optimale Blutdruck wieder hergestellt werden kann. Wie dieses ganze Geschehen abläuft, erkläre ich Dir jetzt. Sei gespannt! 🙂

Wovon ist der Blutdruck abhängig?

Herzzeitvolumen

Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um die Blutmenge, die das Herz innerhalb einer Minute in den Körper pumpt. In Ruhe liegt der durchschnittliche Wert bei ca. 5 Liter pro Minute. Wenn wir allerdings Sport machen oder aufgeregt sind, kann es schon mal bis zu 18 Liter pro Minute befördern. Starke Leistung oder?

Das Blutvolumen

Dies beträgt bei den meisten Menschen 4-6 Liter. Wenn wir beispielsweise eine schwere Blutung erleiden, sinkt das Blutvolumen stark ab. Dadurch kann es auch nicht mehr so viel Druck auf die Gefäßwände bringen, wodurch der Blutdruck abfällt. Wenn wir stark dehydrieren, sinkt auch unser Blutvolumen bzw. das Blut wird „dicker“ und kann nicht mehr so locker flockig durch die Gefäße strömen. Also trink jetzt lieber gleich nochmal einen Schluck Wasser 😉

Der periphere Widerstand

„Peripher“ bedeutet weiter weg vom Zentrum. Also, beispielsweise haben wir Ablagerungen in unseren Gefäßwänden. Das Herz pumpt nun Blut in unseren Körper, doch diese Ablagerungen sorgen für eine Art Hindernis, da das Lumen der Gefäße nicht mehr so groß ist. Dadurch erhöht sich der Widerstand, gegen den das Herz ankämpfen muss, der Druck auf die Gefäßwände erhöht sich. Es kann auch andersherum sein: Wenn wir eine Aussackung in einem Gefäß haben, ein sog. Aneurysma, erweitert sich das Lumen und der Blutdruck sinkt leicht ab.

Sidenote

 Natürlich ist der Blutdruck nicht in jedem Gefäß und in jedem Organ immer gleichbleibend. Wie oben schon erklärt, kommt es zum Einen auf die Arbeitsphase des Herzens an. Jedoch auch, welche Art von Gefäß es ist und welches Organ. In den kleinen Kapillaren z.B. besteht ein Blutdruck von nur 20mmHg (bei 120mmHg würden sie wahrscheinlich explodieren). In den großen Beinarterien finden wir im Stehen einen systolischen Druck von bis zu 200mmHg! Du siehst also, je nach Ort und Gefäß variiert der Blutdruck extrem.

Kurzfristige, mittelfristige
und langfristige
Blutdruckregulation

Kurzfristige Blutdruckregulation

Wie oben bereits erklärt, gibt es in bestimmten Gefäßen (z.B. Aortenbogen, Halsschlagadern, Karotissinus) Wachposten, die sog. Pressorezeptoren oder Barorezeptoren. Diese messen die ganze Zeit, ohne Pause, die Dehnung der Gefäßwände. Wenn nun ein zu hoher Blutdruck besteht und die Gefäßwände somit zu sehr gedehnt werden, melden sie das sofort an unser Rückenmark. Hier, in der Medulla oblangata (verlängertes Rückenmark), wird nun reagiert: Der Sympathikus wird gehemmt, wir „fahren also runter“. Die Gefäße erschlaffen (Vasodilitation), das Herz beruhigt sich und schlägt nicht mehr so oft (Herzzeitvolumen sinkt) und somit fällt der Blutdruck ab. Bei zu niedrigem Blutdruck geschieht alles genau andersherum: Das vasomotorische Zentrum (in der Medulla oblangata) fördert den Sympathikus und der Blutdruck steigt an (das passiert übrigens auch immer, wenn wir vom Liegen ins Stehen kommen).

Mittelfristige Blutdruckregulation

Hier spielt unsere Niere eine sehr große Rolle. Sie kann nämlich ein Enzym freisetzen, welches eine ganze Kaskade ins Rollen bringt. Das sog. „Renin-Angiotensin-Aldosteron-System“. Hört sich kompliziert an, ist aber überschaubar. Kurz und knackig erklärt: Die Niere merkt, dass ihre Durchblutung nicht gut genug ist, der Blutdruck ist also zu niedrig. Sie setzt nun Renin frei, welches dafür sorgt, dass Angiotensinogen in Angiotensin I und später mithilfe von ACE in Angiotensin II umgewandelt wird. Dieses hat die Aufgabe, die Gefäße enger zu stellen (Vasokonstriktion). Außerdem führt es zu erhöhtem Durstempfinden. Näheres dazu findest Du hier in meinem gesonderten Blogbeitrag zum RAAS.

Langfristige Blutdruckregulation

Die langfristige Blutdruckregulation ist ein sehr großer Apparat an Systemen mit unterschiedlichen Hormonen aus der Niere, der Nebenniere und dem Herzen. Alle haben Einfluss auf das Blutvolumen, welches ausschlaggebend für unseren Blutdruck ist. Die Niere und das Gehirn können sich am besten autoregulieren. Und das müssen sie auch! Sie können nur funktionieren, wenn viel Blut in ihnen zirkuliert. Nehmen wir jetzt an, wir betätigen uns körperlich. Dann brauchen unsere Muskeln viel Blut. Dieses bekommen sie durch die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin im Nebennierenmark. Diese Hormone sorgen dafür, dass das Herz schneller und kräftiger schlägt und, dass die Gefäße im Bauchraum eng gestellt und in der Muskulatur weit gestellt werden. Jetzt könnte das ja zu einer Minderdurchblutung in Organen wie z.B. der Niere, führen. Also geht die Niere ihren eigenen Weg (Autoregulation), und zwar durch das RAA-System. In der längerfristigen Version nimmt noch das Hormon Aldosteron teil, welches für eine Resorption von Natrium sorgt. Natrium bindet Wasser, das Blutvolumen erhöht sich und schwups, steigt der Blutdruck wieder an (das Ganze dauert schon etwas, ist ja langfristig) und die Niere hat ihr Blut zum Weiterarbeiten. Ein weiterer Mechanismus wird von dem sog. atrialen natriuretischen Peptid (ANP) angeschmissen. Dieses stammt aus den Muskelzellen des Herzvorhofs und sorgt für eine Vasodilatation (Gefäßweitstellung). Es wirkt, sobald erhöhter Druck auf der Herzvorhofwand wahrgenommen wird. Durch die Weitstellung der Gefäße wird der Blutdruck gesenkt.  Hier gelangst Du zu einem kurzen Video über den Blutdruck.

Zum Schluss:

Wie Du siehst, arbeitet der Körper immer so, dass sich alle wohlfühlen und immer dann Blut bekommen, wenn es notwendig ist. Die Niere hat hierbei eine unglaublich große Rolle, was man auf der nächsten Party als Fun Fact benutzen könnte, wenn man als Nerd bezeichnet werden will. Ansonsten mach es so wie ich und freu Dich einfach, dass wir so eine coole Wundermaschine haben! 🙂

Schreib mir was Du denkst!