Der Magen: Aufbau und Funktion

Unser Magen ist ein sehr cooles Organ meiner Meinung nach. Ja, ich finde jedes Organ cool, i know. Aber für Menschen wie mich, die das ganze Zeug lernen müssen, ist der Magen so ein kleiner Chill Point, denn er ist wirklich nicht kompliziert. Und trotzdem bleibt es spannend, denn auch die chilligsten Organe sind äußerst interessant! Lass uns das flaue Gefühl im Magen in Schmetterlinge umwandeln und den Magen mit Aufbau und Funktion kennenlernen! 🙂

Lage

Der Magen (auf schlau „Gaster“ oder „Ventriculus“ genannt) befindet sich im oberen Bauchraum hauptsächlich links hinter dem Rippenbogen. Er liegt zwischen Leber und Milz, vor Teilen der Bauchspeicheldrüse, und ist am Zwölffingerdarm, der Speiseröhre und ein paar Bändern befestigt. Außerdem liegt er intraperitoneal, also wird er komplett vom Bauchfell überzogen.

Grober Aufbau

Der grobe Aufbau des Magens ist auch relativ simpel. Es gibt nur ein paar Abschnitte, die man sich merken muss und den groben Aufbau der Wandmuskulatur. Ich habe ein Bild hinzugefügt, welches Dir ein wenig Hilfestellung beim Visualisieren des Magens bieten soll.

Kardia

Zuerst einmal ist der Magen, wie wir alle wissen, an der Speiseröhre angeschlossen, der Mageneingang nennt sich auch „Kardia“.

Fundus

Der obere Buckel des Magens nennt sich Fundus (was eigentlich auf deutsch „Magengrund“ heißt, ist also ein doof gewählter Name aber naja, können wir leider nichts dran ändern). Hier sammelt sich übrigens die Luft, die wir beim Essen mit runterschlucken.

Korpus

Dann kommt der Hauptteil des Magens, nämlich der Korpus („Körper“). Hier sehen wir eine kleine Rundung und eine große Rundung, sie nennen sich kleine und große Curvatur. An diesen Krümmungen sind Netze dran gehängt, die hauptsächlich aus Fett bestehen und die inneren Organe beschützen sollen. An der großen Curvatur ist das große Netz, welches sich von dort über den gesamten Dünndarm legt und, neben dem Magen, auch am Dickdarm befestigt ist. Die kleine Curvatur verbindet sich mit dem kleinen Netz, es zieht sich von dort bis zur Leber und ist eher bindegewebig. Diese Netze sind sehr, sehr wichtig für uns, denn: Sie schützen die Organe nicht nur, in ihnen sammeln sich auch sehr viele Abwehrzellen. Sie sind also für unser Immunsystem sehr relevant. Außerdem legen sie sich, wenn ein Organ entzündet ist, genau an dieses Organ, um weitere Entzündungen der umgebenden Strukturen zu verhindern. Cool, oder?

Die Magenstraßen, oder auch „Plicae gastricae“ sind Oberflächenvergrößerungen, wie wir sie auch im Darm sehen können, nur auf eine andere Art und Weise. Eigentlich sind sie nur „überschüssige Haut“, welche sich ausdehnen kann, falls wir viel gegessen haben.

Ausgang

Das „Antrum“, also der Vorhof zum Pförtner, liegt vor dem Ausgang. Er kann sich mithilfe seiner Muskeln vollkommen vom Rest des Magens abschnüren. Und zu guter Letzt noch der Pylorus, also der Magenausgang oder auch Pförtner genannt. Dieser stellt die Verbindung zum Zwölffingerdarm, dem Duodenum, her und wird von einem Sphinkter, also Schließmuskel, umschlossen.

der Magen-Aufbau und Funktion

Feinbau der Magenwand

Die Magenwand besteht aus der Magenschleimhaut und drei Muskelschichten. Von innen nach außen ist die Magenwand wie folgt aufgebaut:

Die Schleimhaut

Ganz innen haben wir die Mukosa (Schleimhaut), welche sich in tiefe Falten legt. In diesen tiefen Falten liegen Drüsen, welche den Magensaft produzieren. Hier gibt es drei verschiedene Arten: die Belegzellen, Hauptzellen und Nebenzellen. Später erkläre ich Dir die Aufgaben der einzelnen Zellen. Nach der Mukosa mit ihren Falten und Drüsen kommt die sog. Submukosa. Diese besteht hauptsächlich aus Bindegewebe. Hier treten die Nerven und Blutgefäße ein bzw. aus. Wie oben schon erwähnt, hat der Magen in seiner Schleimhaut noch den Trick der Magenstraßen. Durch sie kann er sich ausdehnen und wieder zusammenziehen, je nachdem, wieviel Nahrungsbrei gerade bearbeitet werden muss.

Die Muskelschicht

Im Gegensatz zum restlichen Verdauungstrakt (mit nur zwei Muskelschichten), benötigen wir im Magen noch eine dritte, die schräg verlaufende Muskulatur, damit der Magen den Verdauungsbrei auch gut durchmischen und zerkleinern kann. Die Muskulatur baut sich von innen nach außen wie folg auf: Zuerst die schräge Muskulatur, danach die Ringmuskulatur und ganz außen dann die Längsmuskulatur.

Magendrüsen und Magensaft

Wie oben bereits erwähnt, gibt es drei wichtige Drüsenzellen in der Mukosa; Die Hauptzellen, die Belegzellen und die Nebenzellen. Nebenspieler, aber trotzdem erwähnenswert, sind noch die G-Zellen und die H-Zellen. Die Magendrüsen haben alle verschiedene Aufgaben, produzieren jedoch gemeinsam den Magensaft. Dieser ist sehr sauer, hat einen pH-Wert von ca. 1-2 und beträgt durchschnittlich 2 Liter pro Tag. Er ist wichtiger Bestandteil der Vorverdauung von Nährstoffen. Somit kommen nun Infos zum Magen über Aufbau UND Funktion! Lass uns den Zellen jetzt ihre einzelnen Aufgaben zuteilen:

Hauptzellen

Die Hauptzellen produzieren Pepsinogen, welches eine Vorstufe des Enzyms Pepsin ist. Pepsinogen wird durch die Salzsäure im Magen zu Pepsin umgewandelt und benötigt dieses saure Mileau auch, um überhaupt arbeiten zu können. Doch woher kommt die Salzsäure?

Belegzellen

…Aus den Belegzellen! Diese produzieren durch Protonenpumpen die Salzsäure (HCl), welche für den bekannten sauren pH-Wert des Magensafts von 1-2 sorgt. Vielleicht hast Du schon mal den Begriff „Protonenpumpenhemmer“ gehört. Jetzt weißt Du, wo diese Medikamente ansetzen. Sie hemmen die Protonenpumpen, damit nicht so viel Säure im Magen gebildet wird. Die Salzsäure kann, außer das Pepsinogen zu Pepsin umzuwandeln, noch einiges mehr; Sie tötet auch ungewollte Bakterien ab und vorverdaut Eiweiße, die wir mit der Nahrung aufgenommen haben. Dieser Prozess nennt sich „Denaturierung“. Eiweiße kann man sich wie Wollknäuele vorstellen, die aus einzelnen Ketten (Aminosäure-Ketten) bestehen. Diese Ketten sind alle miteinander verheddert. Die Denaturierung bedeutet, dass sich die Wollknäuele nun in einzelne Ketten aufteilen und sich entwirren. Das passiert durch die Salzsäure und das Pepsin.

Außerdem bilden die Belegzellen noch den Intrinsic-Faktor. Dieser ist ein Transporter für den Extrinsic-Faktor, auf deutsch: Vitamin B12. Vitamin B12 hat jede/-r schon mal gehört, es ist sehr wichtig für unsere Nerven, Blutbildung und die Haut. Damit es im Laufe des Darms aufgenommen werden kann, benötigt es den Intrinsic-Faktor.

Nebenzellen

Die Nebenzellen liegen hauptsächlich im Drüsenhals. Sie haben die Aufgabe, Schleim zu produzieren. Da die Magensäure so ätzend ist, benötigt die Magenschleimhaut einen Schutz. Sonst würde sie ja auch angegriffen werden. Diesen Schutz bieten die Nebenzellen mithilfe des alkalischen Schleims. 

Übrigens: Die Epithelzellen der Magenschleimhaut bilden Bicarbonat. Dieses ist der Hauptspieler der alkalischen Seite im Körper. Zusammen mit dem Schleim der Nebenzellen, bieten die Epithelzellen mit ihrem Bicarbonat also ausreichenden Schutz gegen die Salzsäure. Wenn Du mehr über den Säure-Basen-Haushalt wissen möchtest, schau gern in meinem Beitrag dazu rein!

Merksatz zum Lernen: „Die Belegschaft ist sauer, weil die Nebenschaft schleimt und die Hauptschaft Pepsi trinkt!“

G-Zellen und H-Zellen

Gleich haben wir es mit diesen ganzen Zellen aber auch geschafft, versprochen!

Die G-Zellen produzieren das Hormon Gastrin. Dieses setzt sich an die Gastrin-Rezeptoren in den Beleg- und Hauptzellen und fördert so die Ausschüttung von Pepsinogen und Salzsäure. Der Hintergrund ist Folgender: Wenn Nahrungsbrei im Magen ist, wird der Magen alkalischer. Der Körper benötigt jedoch ein saures Mileau, um die Nahrung zu zersetzen. Also werden jetzt die G-Zellen stimuliert, sie schütten Gastrin aus und der Magensaft wird wieder saurer. Gastrin bewirkt übrigens zusätzlich, dass der Dünndarm zu arbeiten beginnt und die Bauchspeicheldrüse Insulin freigibt. Das Kommando lautet also: Verdauung!

Die H-Zellen produzieren Histamin. Dieses Hormon trägt zusätzlich zur Stimulierung der Magensaftproduktion bei.

Funktionen des Magens

Eigentlich sind nun die Aufgaben des Magens größtenteils geklärt worden. Hier aber nochmal als Übersicht alle Funktionen kurz und knackig:

  • Nahrungsspeicherung: Das Essen kann je nach dem, wie es zusammengesetzt ist, zwischen 2 und 7 Stunden in unserem Magen bleiben! Dann wird es portionsweise an den Dünndarm weitergegeben
  • Nahrungszerkleinerung: Durch die drei Muskelschichten ist der Magen dazu in der Lage, die Nahrung zu vermengen und zu zerkleinern
  • Salzsäurebildung: Zur anfänglichen Eiweißverdauung und Desinfektion der Nahrung

Um Dir einen weiteren visuellen Reiz zum Thema „Magen: Aufbau und Funktion“ zu geben, hier ein schönes Video. Ich mag diesen Typen, irgendwie bringt er mich beim Lernen immer zum Lächeln 🙂

Schreib mir was Du denkst!