Das Blutbild
Ich denke, jede/-r von uns hat es schon einmal machen lassen müssen – eine Blutabnahme. Ob es eine Routine-Untersuchung oder eine weitere Diagnostik zur Klärung verschiedener Symptome/ Erkrankungen ist; Ein kleines/ großes Blutbild gehört in den Arztpraxen zum Alltag. Danach bekommen wir hoffentlich gesagt, dass alles in Ordnung ist und die Laborergebnisse werden uns zugeschickt. Wer sich dafür interessiert, versucht sie zu lesen und stellt dann fest, dass mindestens die Hälfte davon nicht verstanden wird . An diesem Punkt möchte ich gern Abhilfe schaffen! Also lass uns in die große Welt der Blutdiagnostik eintauchen! Let´s go!
Was gibt es denn überhaupt für Blutbilder?
Wie der Name des Beitrags bereits beschreibt, sprechen wir im Allgemeinen erstmal von einem kleinen und einem großen Blutbild. Damit sind allerdings noch lange nicht alle Geheimnisse, die wir mithilfe des Blutes herausfinden können, gelüftet; Wir können auch organspezifische Testungen durchführen lassen, wie zum Beispiel zur Leber oder Schilddrüse. Außerdem kann man dem Labor anordnen, die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) oder Entzündungsparameter zu messen.
Das Blut schenkt uns also viele, viele Informationen über unsere Wundermaschine! Und genau das macht die Hämatologie (Lehre des Blutes und der blutbildenden Organe) so spannend 🙂 Nun bringen wir Dein Blut mal ordentlich zum Brodeln und gehen durch die einzelnen Parameter der Blutbilder!
Das kleine Blutbild
Das kleine Blutbild beschäftigt sich mit den Erythrozyten (rote Blutkörperchen), den Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und den Thrombozyten (Blutplättchen).
Die Erythrozyten tragen Hämoglobin in sich, welches wiederum Eisen bindet. Das Eisen kann den Sauerstoff, den wir durch die Lunge einatmen, transportieren. So sind unsere roten Blutkörperchen also die Transporter für den Sauerstoff unseres Körpers und bringen ihn zu allen Organen und Muskeln.
Von den Leukozyten gibt es viele verschiedene. Die Hauptgruppen sind die Granulozyten, die Lymphozyten und die Monozyten. Alle Zellarten der Leukozyten sind für unser Immunsystem da. Während die Granulozyten und Monozyten unspezifisch alle Fremdkörper abtöten, sind die Lymphozyten spezifisch gegen einzelne Erreger oder Fremdkörper ausgebildet.
Die Blutplättchen oder auch Thrombozyten sind für unsere Gerinnung bzw. Wundheilung zuständig. Wenn sie, so wie die Gerinnungsfaktoren, nicht wären, würden wir bei jeder kleinen Verletzung verbluten. So kann man sich also vorstellen, dass auch sie eine enorm wichtige Aufgabe erledigen und die Bestimmung der Thrombozytenanzahl sehr wichtig ist!
Parameter des
kleinen Blutbildes
- Hämatokrit (Hk) = Anteil der Zellen im Blut (Erythrozyten, Leukozyten, Thrombozyten) in Relation zum gesamten Blutvolumen
- Erythrozytenzahl = Wieviele Erythrozyten schwimmen im Blut?
- Leukozytenanzahl = Wieviele Leukozyten schwimmen im Blut?
- Thrombozytenanzahl = Wieviele Thrombozyten schwimmen im Blut?
- Hämoglobinkonzentration (Hb) = Wieviel Hämoglobin ist im Blut (natürlich stark abhängig von der Erythrozytenzahl)
Erythrozytenindizes:
- MCV (Mittleres korpuskuläres Volumen) = Wie groß sind die einzelnen Erythrozyten im Durchschnitt?
- EVB/ RDW (Erythrozytenverteilungsbreite) = Um wieviel Prozent weichen die Größen der Erythrozyten vom MCV ab?
- MCH (Mittleres korpuskuläres Hämoglobin) = Wieviel Hämoglobin ist durchschnittlich in einem Erythrozyten?
- MCHC (Mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration) = Wieviel Hämoglobin hat ein Erythrozyt in Relation zur Größe des Erythrozyten?
Das große
Blutbild
Das große Blutbild ist eigentlich das kleine Blutbild plus das weiße Blutbild, also das der Leukozyten bzw. des Immunsystems. Wie oben bereits beschrieben, gibt es verschiedene Arten der Leukozyten.
Lymphozyten
Die Lymphozyten teilen wir in B- und T-Zellen auf. Vielleicht hast Du das auch schon Mal im Bio-Unterricht gelernt. Die B-Zellen reifen im Knochenmark (B wie Bone), die T-Zellen im Thymus (T wie Thymus). Sie sind für die spezifische Abwehr zuständig, werden also erst gebildet, wenn wir Erstkontakt zu einem bestimmten Erreger haben. Dann werden sie speziell für diesen Erreger ausgereift und kommen auch erst dann zum Einsatz, wenn dieser Erreger wieder in unseren Körper gelangt.
Granulozyten
Die Granulozyten kann man in neutrophile, basophile und eosinophile Granulozyten einteilen. Alle drei haben verschiedene Aufgaben bei der Immunabwehr. Die neutrophilen Granulozyten kann man noch je nach Reifegrad unterscheiden. Hier nimmt man die stabkernigen und die segmentkernigen Granulozyten unter die Lupe, wobei die stabkernigen jünger sind, als die segmentkernigen. Sind viele stabkernige Granulozyten im Blut zu finden, spricht man von einer Linksverschiebung, da das durchschnittliche „Alter“ der neutrophilen Granulozyten sinkt. Das passiert bei jeder Entzündung, denn hier werden die alten Granulozyten schnell aufgebraucht und die frischen, jungen kommen hinzu.
Die basophilen Granulozyten sind bei vielen chronischen Erkrankungen erhöht. Sie finden ihren Platz im Gewebe, werden dementsprechend auch Gewebszellen genannt.
Die eosinophilen Granulozyten sind unsere Aufräumer, sie wandern als Letztes von dem Ort der Entzündung ab. Sie sind v.A. bei Parasitenbefall oder Allergie-Reaktionen erhöht.
Monozyten
Die Monozyten sind die größten Blutzellen in unserem Körper. Sie wandeln sich im Gewebe in Makrophagen um und werden dann auch “Fresszellen“ genannt. Auch sie sind der unspezifischen Abwehr zugehörig. Wenn ein Erreger, egal was für einer (unspezifisch), in unseren Körper gelangt, wird er von Immunzellen erkannt und markiert, sodass die Makrophagen ihn als Feind ansehen und auffressen können. Das Auffressen nennt man auf schlau auch „phagyzitieren„. Sie sind vor Allem bei Infektionen, Tumoren, sowie chronischen Entzündungen erhöht (also eigentlich immer, wenn etwas im Körper bekämpft werden muss).
Weitere Bluttestungen
Nun haben wir alle Fragen zum kleinen und großen Blutbild beantwortet. Jetzt gibt es aber natürlich noch ganz viele andere Dinge, die wir durch das Blut feststellen können. Hier gehe ich nun auf die Gängigsten ein.
Entzündungsparameter im
Blutbild (CRP und BSG)
Hier haben wir in der Regel zwei Parameter, die getestet werden; Zum Einen bestimmt das Labor den CRP-Wert. Dies ist das „c-reaktive Protein“, welches von der Leber gebildet wird. Es gehört zu den sogenannten „Akute-Phasen-Proteinen“ und wird erst ausgeschüttet, wenn irgendwo eine Entzündungsreaktion stattfindet. Sobald die Entzündung zurückgeht, sinkt auch der Wert des CRPs wieder. Es reagiert also sehr schnell auf den Grad der Entzündung, was für die Behandelnden super Aussagen über den Stand des Körpers liefert.
Zum Anderen haben wir den BSG-Wert oder auch „Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit“. Langes Wort, aber zum Glück wirklich unkompliziert. Unsere Blutkörperchen setzen sich nach einer bestimmten Zeit in einem Reagenzglas ab und teilen sich so von dem flüssigen Anteil des Blutes, dem Blutserum. Wenn wir eine Entzündungsreaktion im Körper haben, haben wir auch mehr Blutkörperchen, also Blutzellen. Das heißt, die BSG erhöht sich bei Entzündungen, das Blut wird sozusagen schwerer, die Blutzellen fallen schneller nach unten. Der BSG wird in Millimeter pro Stunde gemessen. Leider ist dieser Test jedoch nicht so schön, wie der des CRPs, da sich die BSG nicht bei allen Entzündungen erhöht und auch länger braucht, bis sie nach einer Entzündung wieder bei der Norm ist.
Anämiediagnostik
(Ich habe bereits einen Beitrag über die verschiedenen Anämieformen geschrieben. Wenn Dich das Thema sehr interessiert, lies ihn hier gern einmal durch.)
Eine Anämie ist eine sogenannte „Blutarmut„, sie kann entweder aufgrund mangelnder Eisen-, Hämoglobin– oder Erthrozytenwerte entstehen. Meist ist sie ein Symptom einer Krankheit und kein eigenständiges Krankheitsbild. Um genauere Indizien für den Ursprung der Anämie zu bekommen, und so auch auf die Krankheit zu kommen, kann man eine Anämiediagnostik zusätzlich zum großen Blutbild durchführen lassen. Neben den oben genannten Laborwerten, kommen dann noch folgende Werte hinzu:
Eisen, Transferrin, Transferrin-
sättigung und Ferritin
Eines der wichtigsten Spurenelemente in unserer Wundermaschine! Wir nehmen Eisen durch die Nahrung auf, ca 20% davon werden durch den Zwölffingerdarm ins Blut resorbiert und gelangen dann sofort an das Transportprotein Transferrin. Dieses transportiert das Eisen nun je nach Bedarf zu den einzelnen Zellen. Der Großteil wird an die roten Blutkörperchen, ans Hämoglobin, gebunden. Nicht benötigtes Eisen wird als sogenanntes „Ferritin“ gespeichert, man nennt es daher auch „Speichereisen„. Ist auch dieser Speicher voll, wird es als Hämosiderin gespeichert.
Ein zu niedriger Eisenwert bedeutet gleichzeitig eine verminderte O2-Aufnahmefähigkeit der Erythrozyten, der Körper bekommt also zu wenig Sauerstoff. Hierauf folgen Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Kälteempfindlichkeit usw. . Ein Eisenmangel entsteht z.B. durch einen erhöhten Blutverlust (starke Menstruation oder innere Blutungen), einem erhöhten Eisenbedarf (Schwangerschaft/ Hochleistungssportler), einer zu geringen Aufnahme (Veganer/ Vegetarier) oder einer gestörten Resorptionsfähigkeit des Darms. Den Eisenmangel erkennt man oft an eingerissenen Mundwinkeln (Mundwinkelrhagaden), brüchigen Nägeln und struppigen Haaren.
Vitamin B12, Folsäure
und Vitamin C
Bei der Blutbildung sind vor Allem die Vitamine B12 und Folsäure mit Vitamin C wichtig. Haben wir hiervon zu wenig, kann die Bildung der Erythrozyten im Knochenmark nicht richtig stattfinden. Deswegen sollen Schwangere übrigens auch Folsäure zu sich nehmen! Das Ungeborene kann bei einem Mangel sonst erhebliche neurologische Schäden erleiden!
Ein Vitamin B12 Mangel entsteht z.B. bei einem Mangel des sog. Intrinsic-Faktors, welcher für die Aufnahme des Vit.B12 im Dünndarm wichtig ist. Der Intrinsic-Faktor wird im Magen gebildet, d.h. Krankheiten im Magen-Darm-Bereich können große Auswirkungen auf die Blutbildung haben. Natürlich zählt eine mangelhafte Aufnahme durch die Nahrung genau so zu den Ursachen des Vit.B12 Mangels; Da Vit. B12 nur in tierischen Produkten zu finden ist, müssen Veganer und Vegetarier das Vitamin auf jeden Fall supplementieren.
Ein Folsäure-Mangel kann seinen Ursprung in einer Alkoholabhängigkeit, Schwangerschaft, Mangelernährung oder auch einer Resorptionsstörung bzw. Medikamente haben. Folsäure finden wir vor Allem in Spinat, Grünkohl, Brokkoli oder Weizenkeimen.
Beide Formen führen zu einer Störung der blutbildenden Zellen im Knochenmark, welches dann weniger bzw. andersförmige Erythrozyten produziert. Dies wiederum ist die Ursache für eine Anämie, die durch das Blutbild, zusammen mit den Symptome, diagnostiziert werden kann.
Blutbild und
Gerinnungsdiagnostik
Um die Diagnostik der Gerinnung zu verstehen, muss man erstmal die Physiologie der Blutstillung und -gerinnung parat haben. Im Folgenden erkläre ich Dir diesen Vorgang sehr einfach und oberflächlich, wenn Du noch tiefer gehen magst, lies gern meinen Beitrag hierzu durch.
Nehmen wir an, wir haben uns geschnitten und die Wunde blutet ein wenig. Daraufhin ziehen sich die verletzten Gefäße schon mal zusammen, damit die Blutung etwas gestillt wird. Nun kommen unsere Thrombozyten ins Spiel – sie nehmen die Wunde wahr, werden somit aktiviert und bilden einen weißen Thrombus (Pfropf zur Schließung der Wunde). Zusätzlich geben sie Botenstoffe ab, die die Gerinnungskaskade in Gang setzen. Die Gerinnungskaskade besteht aus 13 Gerinnungsfaktoren, die in der Leber mithilfe von Vitamin K gebildet werden. Nach einigen komplizierten Schritten, wandelt Thromboplastin das Prothrombin in Thrombin um, welches wiederum das Fibrinogen in Fibrin umwandelt. Fibrin ist wie ein Klebstoff für den Thrombus, dieser ist nun also gesichert und die Wunde kann entspannt zuwachsen.
Es gibt allerdings zwei verschiedene Wege, wie die Gerinnungskaskade funktioniert – endogen oder exogen. Der exogene Weg ist der oben beschriebene. Der endogene Weg ist noch komplizierter und es wirken mehr bzw. andere Gerinnungsfaktoren mit. Für beide Wege gibt es unterschiedliche Testungen;
Gerinnungsparameter/ -testungen
- Quick–Test: Der Plasmaprobe wird Thromboplastin und Kalzium zugesetzt, es wird die Zeit gemessen, bis die Gerinnung anfängt (exogenes Gerinnungssystem), Norm: >70%
- INR (international normalized ratio): Da die Ergebnisse des Quick-Tests von vielen Faktoren abhängig sind, werden sie mithilfe des INR standardisiert. So können die Ergebnisse vergleichbar gemacht werden, Norm: 1
- PTT (partielle Thromboplastinzeit): Der Plasmaprobe wird partielles Thromboplastin und Kalzium zugesetzt, welches nicht das exogene, sondern das endogene Gerinnungssystem in Gang setzt. Auch hier wird wieder die Zeit gemessen, bis die Gerinnung startet, Norm: 20-35 sec.
- TZ (Thrombinzeit): Der Plasmaprobe wird Thrombin hinzugegeben und wieder wird die Zeit gemessen, bis die Gerinnung startet, Norm: 14-20 sec.
- Firbrinogen: Wieviel Fibrinogen (inaktives Fibrin) ist im Blut?
- AT (Antithrombin): Antithrombin ist dafür da, um das umherschwimmende Fibrin zu inaktivieren, damit es nicht überall Thromben bildet, sondern nur dort, wo es benötigt wird, Norm: 70-120%

Hi! Mein Name ist Anna, ich bin gelernte Physiotherapeutin und Heilpraktikerin und komme aus dem wunderschönen Hamburg. Mit diesem Blog will ich Dir all mein gelerntes Wissen aus dem Unterricht, den Skripten, Fachbüchern und Fortbildungen näher bringen. Denn ich finde: Medizin sollte einfach und verständlich erklärt werden! Viel Spaß beim Durchstöbern! 🙂


