Hypokalzämie
zu wenig Kalzium im Blut
In meinem Beitrag zum Kalziumhaushalt habe ich bereits beschrieben, dass das Kalzium in unserer Wundermaschine auf zwei verschiedenen Arten vorliegen kann; Entweder ist es an Anionen gebunden (wie z.B. Phosphat – Kalziumphosphat ist im Knochen und den Zähnen zu finden) oder es schwimmt im Blut mit. Hier ist es zu 50% komplett frei (nennt man dann auch „ionisiertes Kalzium„) und die anderen 50% sind an Albumin (Bluteiweiß) gebunden. Im Blut sollten ca. 8.4 – 10.5 mg/dl Kalzium vorliegen – dieser Wert kann jedoch je nach Labor unterschiedlich sein. Wenn er zu niedrig ist, wir also zu wenig Kalzium im Blut haben, nennt man das Hypokalzämie.
Lass uns tiefer in das Thema abtauchen, let´s go!
Hypokalzämie
Ursachen
Auch hier gibt es, genau wie bei der Hyperkalzämie, viele viele Ursachen. Doch wir lassen uns davon nicht abhalten und versuchen sie mal ein wenig aufzudröseln:
viel Verlust/ zu wenig Aufnahme
Es kann sein, dass wir generell zu wenig Kalzium zu uns nehmen. Um dem entgegenzuwirken kannst Du übrigens kalziumhaltige Nahrungsmittel, wie Milchprodukte (Milch, Joghurt, Käse) und grünes Gemüse, wie Grünkohl oder Brokkoli essen! Zum Anderen kann es sein, dass wir zwar genügend dieser Lebensmittel zu uns nehmen, unser Darm sie jedoch nicht verarbeiten kann bzw. resorbieren kann. Dies passiert beispielsweise bei einer Zöliakie oder anderen Darmerkrankungen.
Wir können allerdings auch zu viel Kalzium verbrauchen, wodurch dann weniger im Blut bleibt – hier sind Beispiele wie die Schwangerschaft oder die Pubertät zu nennen.
Hormonelle Störungen
Hierzu zählen sehr viele Dinge. In meinem Beitrag zum Kalziumhaushalt habe ich bereits erklärt, dass das Parathormon und das Calcitriol (Vitamin D) zur Erhöhung des Kalziumwertes beisteuern. Wenn wir zu wenig von ihnen ausschütten bzw. synthetisieren, kann folglich auch nur wenig Kalzium aus den Nieren, Knochen und dem Darm resorbiert werden. D.h.: Hypoparathyreoidismus (zu wenig Parathormon aus der Nebenschilddrüse) und ein Vitamin-D-Mangel (durch Niereninsuffizienz oder Rachitis) führen zu Hypokalzämie. Der Gegenspieler dieser beiden Hormone ist das Calcitonin, welches aus der Schilddrüse kommt. Dieses Hormon senkt den Kalziumwert im Blut. Bei einem Schilddrüsentumor beispielsweise kann eine Überproduktion an Calcitonin bestehen, welche wieder zu einer Hypokalzämie führt.
Auch das Überdosieren verschiedener Medikamente, wie Schleifendiuretika oder auch Cortisol (Glukokortikoide) können Grund für eine Hypokalzämie sein.
Verteilungsstörung
Wie oben bereits erwähnt, bindet sich das Kalzium sehr gern an Phosphat. Die beiden bilden dann das „Kalziumphosphat“ und lagern sich zusammen im Knochen und in den Zähnen ab, um dort für mehr Stabilität zu sorgen. Wenn wir eine Hyperphosphatämie haben, also zu viel Phosphat, kann das Kalziumphosphat nicht mehr gehalten werden und fällt aus, was zu einer Hypokalzämie führt. Ein anderer Teil des Kalziums bindet sich im Blut gern an das Plasmaprotein Albumin. Auch dieses kann einen zu niedrigen Wert aufweisen (Hypoalbuminämie), wodurch das Kalzium nicht binden kann und eine Hypokalzämie entsteht. Wo wir schon bei der Bindung von Kalzium und Albumin sind: Die Bindung dieser beiden Stoffe kann besser ablaufen, wenn wir einen höheren pH-Wert haben (alkalisch sind), das nennt sich dann auch Alkalose. In meinem Beitrag zur Azidose und Alkalose kannst Du nachlesen, wie es zu diesen Zuständen kommt.
Sonstige mögliche Ursachen sind noch Blutvergiftungen, Verbrennungen oder sogenannte „Kalzifikationen„, wobei sich Kalk im Gewebe einlagert und somit das Serumkalzium sinkt.
Symptome
Hypokalzämie
Während wir bei der Hyperkalzämie eine gehemmte Erregungsleitung der Nervenfasern erfahren, passiert bei der Hypokalzämie genau das Gegenteil: Die Erregungsleitung wird intensiver. Hieraus lässt sich das Leitsymptom, die Tetanie, ableiten. Eine Tetanie beschreibt einen Zustand der Überregbarkeit der Nervenzellen. Klinisch erkennt man sie z.B. durch eine Pfötchenstellung der Hände oder eine Spitzfußstellung der Füße. Hinzu kommen Krämpfe und Spasmen anderer Muskeln. Zudem kann es zu Sensibilitätsstörungen und einer Hyperreflexie kommen (sehr leicht auszulösende Reflexe).
Am Herzen ist es, wie bei der Hyperkalzämie auch, genau andersrum; Hier findet eine unterschwellige Erregbarkeit durch den Kalziummangel statt. Dies führt zu einer Bradykardie (herabgesetzte Pulsfrequenz). Im EKG sehen wir eine Verlängerung der QT-Zeit.
Ein Kalziummangel kann auch zu psychischen Symptomen, wie Depressionen und Angstzuständen, führen, wenn sie lange Zeit unbehandelt bleibt.
In diesem Video kannst Du nochmal nachschauen, wie der Kalziumhaushalt allgemein reguliert wird.

Hi! Mein Name ist Anna, ich bin gelernte Physiotherapeutin und Heilpraktikerin und komme aus dem wunderschönen Hamburg. Mit diesem Blog will ich Dir all mein gelerntes Wissen aus dem Unterricht, den Skripten, Fachbüchern und Fortbildungen näher bringen. Denn ich finde: Medizin sollte einfach und verständlich erklärt werden! Viel Spaß beim Durchstöbern! 🙂


