Der Ikterus

Der Ikterus, oder auch „die Gelbsucht“, beschreibt ein Symptom verschiedener Krankheiten. Gemeint ist hiermit eine Hyperbilirubinämie (Also zu viel Bilirubin im Blut). Falls Du noch nicht so den Plan hast, was Bilirubin überhaupt ist, lies bitte erstmal meinen kurzen Beitrag über Bilirubin :). Im Grunde genommen ist das unser Farbstoff für den Urin und die Gallenflüssigkeit. Es wird über verschiedene Prozesse umgebaut und letztendlich mit dem Urin ausgeschieden. Bei den Umbauprozessen kann so Einiges schief gehen. Das führt dann zum Erscheinungsbild des Ikterus. Doch wir wollen das jetzt mal genauer wissen, also let´s go!

Achso, nochmal zur Klärung: Der Normwert für das Gesamtbilirubin liegt bei <1 mg/dl, der Normwert für das direkte B. liegt bei <0,25 mg/dl

Prähepatischer Ikterus

Die Vorsilbe „Prä-“ bedeutet immer „vor“ oder „vorher“.  Mit „hepatisch“ ist die Leber gemeint. Wir setzen das zusammen und raus kommt: „Vor der Leber-Ikterus“. Das Problem, weswegen wir die Gelbsucht entwickeln, liegt also irgendwo vor der Leber (hier ist der Kreislauf des Bilirubins gemeint).

Ursache

Die Ursache eines prähepatischen Ikterus ist ein zu hoher Zerfall der roten Blutkörperchen. Beispielsweise gehen bei Malaria abnormal viele Erythrozyten zugrunde. Wie wir wissen, ist das Bilirubin ein Abbauprodukt der Erys. Wenn zu viele rote Blutkörperchen sterben, haben wir auch zu viel indirektes Bilirubin im Blut. Ein weiteres Beispiel ist eine künstliche Herzklappe. Diese besteht aus anderem Gewebe, als unser Körpereigenes und es kann dazu kommen, dass beim Durchlaufen des Herzens die roten Blutkörperchen dann an der künstlichen Herzklappe kaputt gehen.

Pathophysiologie

Wir haben nun also zu viele absterbende rote Blutkörperchen. Sie kommen zur Milz, diese macht dann Biliverdin draus (Hämoglobin ohne Eisen) und wandelt es in indirektes/ unkonjugiertes/ wasserunlösliches Bilirubin um. Normalerweise wird es nun vom Albumin aufgesammelt und zur Leber transportiert, wo es dann konjugiert wird. Jetzt haben wir aber so viel indirektes Bilirubin, dass wir das alles gar nicht mehr konjugieren und über die Niere ausscheiden können! Das Endprodukt lautet: Zu viel Gesamtbilirubin im Blutserum (> 2mg/dl). Das indirekte Bilirubin setzt sich in der Haut ab und färbt sie gelb.

Symptome

  • Gelbfärbung der Haut und Skleren (das Weiße im Auge)
  • normaler bis etwas dunklerer Stuhl (Das direkte Bilirubin wird ja noch im Darm in Sterkobilin umgewandelt)
  • normaler bis etwas dunklerer Urin (wir haben immer noch genügend direktes Bilirubin, können nur nicht alles vom indirekten Bilirubin konjugieren)

Intrahepatischer Ikterus

Die Vorsilbe „Intra-“ bedeutet „innerhalb“. Hättest Du dir wahrscheinlich auch schon denken können. Also: Das Problem muss innerhalb der Leber liegen!

Ursache

Die Ursache ist eine geschädigte Leber. Meist durch Leberzirrhose oder einer Virus-Hepatitis, manchmal auch durch eine Vergiftung der Leber (durch z.B. Alkohol oder Medikamente). Durch zerstörte oder nur noch schlecht funktionierende Leberzellen schafft es das Organ nicht mehr, das Bilirubin in die Gallengänge zu leiten, so gelangt auch Gallensäure in den Blutkreislauf. Allerdings findet die Konjugation zu direktem Bilirubin noch statt!

Pathophysiologie

Das Bilirubin wird noch konjugiert, jedoch nicht mehr in die Gallenwege geleitet. Es geht seinen Weg nun direkt durch die Lebersinusoide in den Blutkreislauf, dann zur Niere und weiter durch den Urin in die Toilette. Nun haben wir einen wichtigen Teil übersprungen, nämlich den Darm! Dadurch, dass es nicht mehr in die Gallenwege kommt, wird es auch nicht mehr in den Zwölffingerdarm abgesondert. Es wird nicht zu Urobilin und Sterkobilin umgewandelt und ausgeschieden, womit das direkte Bilirubin im Blutserum erhöht ist.

Symptome

  • Gelbfärbung der Haut und Skleren
  • heller Stuhl, weil kein Sterkobilin den Stuhl braun färben kann
  • dunkler Urin, weil zu viel direktes Bilirubin in der Niere gefiltert und in den Urin geleitet wird
  • Juckreiz der Haut (Weil auch Gallensäure in der Haut abgesetzt wird)
  • Kopfschmerzen

Posthepatischer Ikterus

Du kannst es Dir wahrscheinlich schon selbst herleiten nach den letzten zwei Abschnitten: „Post-“ bedeutet „nach“ oder „nachher“. Der Auslöser für einen posthepatischen Ikterus kommt also erst nach dem Durchlaufen des Bilirubins durch die Leber. Und wo ist das Bilirubin nach der Leber? Genau, in den Gallengängen!

Ursache des Ikterus

Die berühmte Papilla vateri ist verlegt! Das ist die Pforte vom Gallengang in den Zwölffingerdarm, also da, wo der Gallensaft eigentlich in den Darm abgegeben wird. Doch wenn diese Pforte belegt ist, z.B. durch einen Tumor oder einen Gallenstein, kommt auch keine Gallenflüssigkeit mehr in den Darm.

Pathophysiologie des Ikterus

Es entsteht ein enormer Rückstau der Galle in die Gallenkapillaren und Sinusoide/ Blutkreislauf. Das Ganze ist nicht wirklich schön, denn wir benötigen natürlich die Gallenflüssigkeit für unsere Fettverdauung. Das Bilirubin wird zwar noch in der Leber konjugiert, jedoch wieder lediglich durch die Niere ausgeschieden und nicht mehr im Darm zu Sterkobilin und Urobilin umgewandelt. Die Gallensäure kommt auch wieder mit ins Blut und es entsteht ein Juckreiz und Kopfschmerzen. Im Labor sehen wir einen erhöhten Wert an direktem Bilirubin im Blutserum.

Symptome Ikterus

  • Gelbfärbung der Haut und Skleren
  • heller Stuhl (Weil es kein Sterkobilin gibt)
  • dunkler Urin (weil es viel zu viel direktes Bilirubin zur Niere schafft und dort in den Urin gefiltert wird)
  • Juckreiz (Gallensäure kommt durch Blutkreislauf zur Haut)
  • Kopfschmerzen

Neugeborenen-Ikterus

Bei Neugeborenen, wie bei mir damals, ist die Leber einfach noch nicht in der Lage, das indirekte Bilirubin zu konjugieren. Denn die Glucuronsäure ist häufig noch inaktiv und kann dieser Funktion noch nicht gerecht werden. Hinzu kommt, dass die kleinen Babys noch keine ausgereiften roten Blutkörperchen besitzen, wodurch diese dann eine kürzere Lebensdauer haben. So fallen natürlich viel mehr Erythrozyten zugrunde, als bei einem gesunden Erwachsenen. Das heißt kurz gesagt: Die Leber hat ein hohes Aufkommen an indirektem Bilirubin und kann das noch gar nicht verarbeiten.

Symptome

Das sieht man den Babys auch an! Google mal Neugeborenen-Ikterus, da siehst Du, wie die kleinen Racker dann aussehen. Die Haut ist bräunlich, gelblich und meist sind sie auch etwas ruhiger, als andere Babys.

Therapie

Zur Therapie werden die Babys, wenn es erfolgreich diagnostiziert wurde und angebracht ist, mit blauem Licht angestrahlt. Hier setzen die Ärzte/-innen  ihnen dann eine Schutzbrille für die Augen auf und sorgen dafür, dass sie genügend trinken (weil sie mehr schwitzen). Das blaue Licht sorgt dafür, dass das indirekte Bilirubin in direktes Bilirubin umgewandelt wird und somit dann auf normalem Weg ausgeschieden werden kann.

Ikterus Bilirubin

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