Leberzirrhose
Die Leberzirrhose ist eine sehr schlimme Krankheit, die meist erst spät diagnostiziert wird, nämlich erst dann, wenn bereits Symptome auftreten. Bei dieser Erkrankung gibt es keine Heilung, denn sie verläuft chronisch-progredient (fortschreitend), sie ist das Endstadium von allen Lebererkrankungen. Da die Leberzellen zu einer knotigen Struktur umgebaut werden, funktionieren sie nicht mehr richtig. In meinem Beitrag zu den Funktionen der Leber kannst Du nochmal nachlesen, wofür dieses tolle Organ zuständig ist. Wenn man sich nun vorstellt, dass von all diesen Aufgaben nichts mehr vernünftig ausgeführt werden kann, kann man sich auch die schlimmen Folgen ausmalen. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei bereits vorliegenden Komplikationen bei nur ca. 20%.
Ursachen der Leberzirrhose
Der Altersgipfel dieser Erkrankung liegt bei 50-60 Jahren, Männer sind häufiger betroffen als Frauen (7:3). Die häufigste Ursache der Leberzirrhose ist der Alkohol (50%), die Betroffenen haben meist eine langjährige Alkoholkrankheit hinter sich bzw. sind immer noch süchtig. Da die Leber für den Abbau von Giften (also auch Alkohol) zuständig ist, musste sie all die Jahre also sehr viel arbeiten und ist in Folge dann so geschädigt, dass sie gar nicht mehr in der Lage ist, all den Funktionen gerecht zu werden. Eine weitere Ursache ist mit 45% die chronische Virushepatitis, also eine chronische Entzündung der Leberzellen. Wie so oft bei chronischen Entzündungen, bildet der Körper auch hier eine neue Struktur der Zellen (bindegewebig-knotig). In Folge dessen gehen die Zellen unter und die Durchblutung kann nicht mehr aufrecht erhalten werden, die Leberfunktion ist beträchtlich eingeschränkt.
Zu den eher selteneren Ursachen zählen die Autoimmunhepatitis, eine chronische Rechts-Herz-Insuffizienz (hier staut sich das Blut dann über die untere Hohlvene zur Leber auf = Stauungsleber) oder auch Stoffwechselerkrankungen (M. Wilson = vermehrte Kupferspeicherung oder Hämochromatose = vermehrte Eisenspeicherung) und Erkrankungen der Gallenwege (die Gallenflüssigkeit staut sich zur Leber auf).
Symptome der Leberzirrhose
Im Frühstadium, das meist Jahre andauert, zeigen sich Müdigkeit und ein Leistungsabfall bei 70% der Betroffenen. Bei 60% kommen noch Druck- und Völlegefühl im Oberbauch, sowie erhöhter Meteorismus (Blähungen) dazu. Den Rest der Symptome teile ich nun auf, damit Du die Ursache besser verstehen kannst;
Gefäßstörungen
Zu den Leberzeichen der Haut zählen bspw. das Caput medusae, welches eine Venenerweiterung um den Bauchnabel herum beschreibt. Es kommt zu diesem Bild, weil ein Pfortaderhochdruck besteht. Die Pfortader versorgt die Leber mit nährstoffreichem Blut, welches sie aus den einpaarigen Bauchorganen gesammelt hat. Da nun aber die Durchblutung der Leber nicht mehr richtig funktionieren kann und sich das Blut hier staut, erhöht sich folglich auch der Druck in der Pfortader. Der Körper findet einen Weg, um das Blut, welches „zu viel“ ist, wegzuleiten und zwar durch die Venenerweiterung in der Bauchdecke. Außerdem treten Spider Naevi auf, das sind Gefäßerweiterungen der Haut, die aussehen wie kleine, rote Spinnen.
Im Inneren des Körpers kann es im Spätstadium dann zu sogenannten „Varizen“ kommen. Das sind Gefäßerweiterungen, die durch erhöhten Druck entstehen. Bei einer Leberzirrhose sehen wir sie als Komplikation im Magen-Darm-Trakt, v.A. in der Speiseröhre und im Magenfundus. Das Gefährliche bei ihnen ist, dass sie leicht platzen können und so zu inneren Blutungen führen. Jede/-r zweite Betroffene einer Ösophagusvarizenblutung stirbt! Auch die Milz erfährt einen hohen Druck und vergrößert sich dadurch.
Hormonstörungen
Die Leber baut bestimmte Hormone ab, wie z.B. Östrogen. Wenn nun aber die Zellen so zerstört sind, dass sie diese Arbeit nicht mehr ausführen können, bleibt vermehrt Östrogen im Körper. Bei Männern bilden sich dann Brüste, das Ganze nennt sich „Gynäkomastie“. Zudem kommt es dazu, dass sich die Hoden zurückbilden, die sog. „Hodenatrophie“ und die typisch männliche Bauchbehaarung verschwindet (Bauchglatze). Bei Frauen tritt eine Störung der Regelblutung auf, die Haare können ausfallen und es kann sich eine männliche Körperbehaarung zeigen („Hirsutismus“). Bei beiden Geschlechtern vermindert sich die Lust auf Sex und die Potenz sinkt.
Stoffwechsel- und Synthesestörungen
Eine weitere Funktion der Leber ist der Stoffwechsel, v.A. der Fettstoffwechsel. Sie emulgiert die Fette, die wir zu uns nehmen und macht sie so ready für den Darm, welcher die Fette in emulgierter Form dann aufnehmen kann. Stellen wir uns vor, die Leber kann nicht mehr emulgieren, dann kann auch die Fettaufnahme im Darm nicht mehr stattfinden. Die Betroffenen sind also sehr empfindlich bei fettreichem Essen.
Außerdem ist die Leber für die Synthetisierung von Eiweißen zuständig. Sie produziert aus den aufgenommenen Nährstoffen bspw. Albumine, welche unsere Plasmaproteine (Bluteiweiße) sind. Die Albumine ziehen das Wasser in den Blutgefäßen an, sie halten das Wasser praktisch im Gefäß. Auch die Synthese von diesen Albuminen ist bei einer Leberzirrhose gestört. Als Folge kann das Wasser nicht mehr in den Blutgefäßen gehalten werden und es tritt ins Gewebe aus. Es entstehen Ödeme und evtl. auch ein Wasserbauch, die sog. „Aszites“ (Das sieht man auch bei hungernden Menschen, die nicht genügend Nährstoffe für die Produktion von Albuminen aufnehmen). Auch die Synthese von Gerinnungsfaktoren kann nicht mehr ausreichend stattfinden, die Folge ist eine erhöhte Blutungsneigung. Wie oben beschrieben, haben wir bereits ein hohes Risiko für Varizen, welche schnell platzen können. Kombiniert mit der erhöhten Blutungsneigung, zählt dieses Symptom zu den schlimmsten Komplikationen einer Leberzirrhose. Denn innere Blutungen sind lebensgefährlich.
Wie ich in meinem Beitrag zum Bilirubin bereits erklärt habe, ist die Leber auch beim Stoffwechsel dieses Stoffes sehr wichtig. Wenn eine Leberzirrhose besteht, kann Bilirubin nicht mehr verarbeitet und durch die Niere/ den Darm ausgeschieden werden und es kommt zu einer Ablagerung des gelben Farbstoffs in der Haut. Dieses Erscheinungsbild nennt man Ikterus (siehe auch hier meinen Beitrag dazu).
Entgiftungsstörung
Wie wir alle wissen, ist die Leber das wichtigste Entgiftungsorgan in unserer Wundermaschine. Wie oben beschrieben, muss sie auch Alkohol abbauen. Bei einer langjährigen Alkoholsucht überarbeitet sich die Leber und es kommt zur Leberzirrhose. Ein Symptom, welches eher im Endstadium auftaucht, ist die hepatische Enzephalopathie (leberbedingte Erkrankung des Gehirns). Da die Leber nicht mehr alle Giftstoffe aus dem Blut entsorgen kann, gelangen diese dann über die Blutbahn auch ins Gehirn. Dies führt nun zu verschiedenen psychischen und neurologischen Auffälligkeiten. So werden die Patienten/-innen aggressiv oder depressiv und können die einfachsten koordinativen Aufgaben nicht mehr ausführen (z.B. ein Haus aus Streichhölzern bilden). Wenn diese Vergiftung des Gehirns fortschreitet, kommt es zum hepatischen Koma, in dem die Betroffenen dann früher oder später sterben.
Zusammenfassung: Symptome der Leberzirrhose
Frühstadium: Abgeschlagenheit, Leistungsminderung, Druck- und Völlegefühl im Oberbauch, Wut/ Ärger/ Depressionen, Fettunverträglichkeit, Übelkeit, Gewichtsverlust, hormonelle Störungen (Gynäkomastie, Libidoverlust…), Lackzunge, Spider naevi, Palmar- und Plantarerythem (gerötete Handflächen und Fußsohlen)
Terminalstadium (Dekompensation): Pfortaderhochdruck mit Aszites, Caput medusae, Splenomegalie (Milzvergrößerung), Nierenversagen, Blutungsneigung, Varizenbildung, Ikterus und heftiger Juckreiz, hepatische Enzephalopathie mit späterem hepatischem Koma, erhöhtes Risiko für Leberzellkarzinom (Krebs)
Therapie der Leberzirrhose
Wie oben bereits erwähnt, können wir nicht die Leberzirrhose an sich behandeln, sondern lediglich die Symptome dieser Erkrankung. Natürlich gibt es auch hier sicherlich Ausnahmen, unsere Körper sind ja nun mal immer unterschiedlich.
Allgemein ist zu erwähnen, dass dem Körper keine Giftstoffe mehr zugeführt werden sollten (Medikamente, Alkohol, Nikotin etc.). Auch fettreiche Nahrung sollte vermieden werden, um die Leber zu entlasten. Außerdem sollten die fettlöslichen Vitamine E,D,K,A und auch Gerinnungsfaktoren durch Kapseln oder Tabletten zugeführt werden. Gegen den starken Juckreiz (Bilirubin) kann man gallensäurebindende Medikamente nehmen, Diuretika (Entwässerung) gegen die Aszites und Ödeme, Darmreinigungen (Lactulose: bindet Wasser im Darm und fungiert somit als Abführmittel, beinhaltet zudem gute Darmbakterien und fördert die Peristaltik) vollzogen werden und Beta-Blocker zur Senkung des Blutdrucks genommen werden (hiermit wird das Risiko von Varizenbildung und/ oder dem Platzen von Varizen gesenkt). Chirurgisch können Teile der Leber entfernt werden und die Varizen verödet werden.
Das alles muss natürlich IMMER mit einem Arzt/ einer Ärztin abgesprochen werden!
Hier gelangst Du zu einem tollen Video über die Leberzirrhose!
Alternativmedizinische Therapie
Auch hier ist natürlich allgemein erstmal die Umstellung des Lebensstils das wichtigste Ziel der Behandlung. Neben der Einstellung des Alkohol- und ggf. Nikotinkonsums, gibt es noch ein paar weitere Möglichkeiten, den Körper bei der Regeneration der Leber zu unterstützen:
Schröpfen:
Das Schröpfen ist ein toller Weg, um einzelne Organe zu unterstützen. Man geht davon aus, dass sich am Rücken bestimmte Zonen für die einzelnen Organe abbilden. Bei der Behandlung dieser Zonen wird reflektorisch eine Wirkung auf die Organe erzielt. Die Therapeuten/-innen stellen mit einer Pumpe ein Vakuum im Schröpfglas her und ziehen damit die Haut hoch. Unter dem Glas wird nun die betroffene Hautstelle sehr stark durchblutet.
Ernährungstherapie:
Es wird empfohlen, eine kalorienarme Vollwertkost zu sich zu nehmen. Diese besteht aus vielen Vollkornprodukten und die Vermeidung von Zucker, sowie schweren Fetten. Bedeutet: Kein Zucker, eher Fisch statt Fleisch und Vollkornbrot, -nudeln oder -reis. Außerdem sollte auf die Vitaminzufuhr geachtet werden. Dies kann entweder das Einnehmen von Kapseln, oder auch das Essen von viel Gemüse bedeuten.
Mikrobiologische Therapie:
Eine Stuhluntersuchung gibt Auskunft über Deine Darmflora. Hier sammeln sich gute, sowie schlechte Bakterien und ggf. sogar Pilze. Dein/-e Therapeut/-in kann Dir Präparate verordnen, die die Dysbalance deiner Darmflora ausgleichen bzw. Pilze oder Schadstoffe beseitigen kann. Bevor Du irgendwas im Internet kaufst, lass Dich von einer ausgebildeten Fachkraft beraten!
Phytotherapie:
Unsere Heilpflanzen dürfen natürlich auch nicht vergessen werden! Zur Anregung der Entgiftungs- und Synthesefunktion der Leber werden Mariendistelfrüchte angewandt. Sie schützen die Leberzellen vor Schadstoffen und regen die Leber an, neue, frische Zellen zu bilden. Zur Regeneration der Leberzellen stellt auch Betain (ein Stoff aus der roten Beete) eine gute Alternative dar. Weitere Heilpflanzen, die gut für die Leber sind, wären Schöllkraut, Artischockenblätter und Schafgarbenkraut.
Traditionell chinesische Medizin:
Die TCM sieht den Körper immer nochmal mit anderen Augen. Auch bei Leberschäden bietet es sich an, diese Therapieform mal zu auszuprobieren. Schau im Internet, welche TCM-Therapeuten/-innen gute Rezensionen haben oder frag mal bei Freunden/-innen nach, ob diese Dir jemanden empfehlen können! Ob es zur Behandlung mit Akkupunktur oder mit Kräutern kommt, ich bin der Meinung, dass sich so was immer lohnt 🙂

Hi! Mein Name ist Anna, ich bin gelernte Physiotherapeutin und Heilpraktikerin und komme aus dem wunderschönen Hamburg. Mit diesem Blog will ich Dir all mein gelerntes Wissen aus dem Unterricht, den Skripten, Fachbüchern und Fortbildungen näher bringen. Denn ich finde: Medizin sollte einfach und verständlich erklärt werden! Viel Spaß beim Durchstöbern! 🙂



