Die Milz
Viele Menschen wissen einige Dinge zur Leber, zum Magen, Niere oder auch der Lunge aber was ist eigentlich mit der Milz? Wirklich viel weiß man nicht über sie, oder? So ging es mir jedenfalls, bevor ich in die Medizin gegangen bin. Im Folgenden gibt es nun einige spannende Dinge über die Milz für Dich! Dieses tolle Organ ist gar nicht mal so unwichtig für unsere Wundermaschine, also sei gespannt und let´s go!
Die Milz:
Grober Aufbau
Die liebe Milz wird auch „Splen“ oder „Lien“ genannt (das ist mal wieder Latein). Sie ist ca. 200g schwer, 7x4x11 cm groß und liegt hinter der linken 9. bis 11. Rippe hinter dem Magen. Wie alle Organe besitzt auch sie eine Schutzschicht, die Kapsel. Diese wiederum ist vom sogenannten Peritoneum (Bauchfell) umgeben, die Milz liegt somit intraperitoneal. Von dieser Kapsel strahlen sog. Trabekel in das Innere der Milz. Diese Trabekel sind, wie die Kapsel auch, bindegewebig-derb und führen die Blutgefäße (A. und V. splenica/ lienalis) mit sich. Und natürlich haben wir auch noch einen Hilus, an dem die Blut-, Lymph- und Nervengefäße ein- bzw. austreten.
Feinbau
Nun wird es etwas kleinkarierter: Das Innere der Milz kann man in Balken einteilen. In diesen Balken befindet sich das eigentliche Milzgewebe, die rote und die weiße Pulpa. Die rote Pulpa überwiegt mit ca. 85%, sie ist ein stark durchblutetes Maschenwerk und hat außerdem sogenannte Sinusräume (Blutgefäßerweiterungen). Neben dem normalen Blutkreislauf (in den Gefäßen) wird hier nochmal ein zweiter Blutweg eröffnet; Die Blutzellen können aus den Blutgefäßen heraus in die Sinusräume und dann wieder in die Blutgefäße hineinströmen, wodurch die sog. „Blutmauserung“ möglich wird.
Die weiße Pulpa hingegen ist lymphatisches Gewebe, welches sich um die Arterien herum befindet und vereinzelt mit Lymphfollikeln (den sog. „Malpighi–Knötchen„) ausgestattet ist. Hier sind ganz viele Lymphozyten unterwegs.
Die Milz: Funktionen
Die Milz ist das einzige Organ, das eine Verbindungsstelle zwischen Blut- und Lymphsystem darstellt. Dieser Fakt macht sie zu etwas ganz Besonderem in unserer Wundermaschine! Deswegen verstehe ich auch nicht, warum so wenig über sie gelehrt wird… naja. Weiter zu ihren Funktionen:
Immunabwehr
Das ist wohl eine der wichtigsten Aufgaben der Milz. Wie oben bereits erwähnt, ist sie nicht nur ein sehr gut durchblutetes Organ, sondern auch eins mit vielen Lymphozyten! In den Lymphsträngen der weißen Pulpa, also entlang der Blutgefäße, sitzen ganz viele T-Lymphozyten/ T-Zellen. In den Lymphknötchen, also den Malpighi-Knötchen, sind ganz viele B-Zellen/ B-Lymphozyten. B- und T-Zellen sind Immunzellen, die dazu befähigt sind, Erreger wie Bakterien oder Viren abzutöten. Sie gehören zu der großen Gruppe der Leukozyten. Diese machen immer mal wieder einen Kontrollgang durch den Körper, bevor sie es sich in der Milz wieder gemütlich machen und hier parken. Bei einem Notruf (Entzündung im Körper), werden die Lymphozyten in der Milz zu spezifischeren Arten weiterentwickelt und vermehrt, bevor sie dann ausströmen, zum Ort der Entzündung gelangen und den Erreger bekämpfen.
Doch in der Milz sitzen nicht nur viele Immunzellen, hier werden auch Immunglobuli (Antikörper) gebildet, vor Allem die IgM (= Makro-Immunglobuli, die übrigens Hauptbestandteil des Eiters sind). Antikörper sind auch Teil der spezifischen Immunabwehr, jedoch sind das Proteine und keine Zellen. Sie richten sich gegen einen bestimmten Erreger und lösen dann spezifische Abwehrreaktionen aus.
Zellmauserung
Die Zellmauserung/ Blutmauserung ist auch sehr wichtig für unsere Wundermaschine. Hiermit meint man das Aussortieren der alten Erythrozyten (rote Blutkörperchen) bzw. der Zellreste. Die Erys leben nur ca. 120 Tage, bevor sie in der Milz abgebaut werden. Dies geschieht folgendermaßen: Unsere roten Blutkörperchen, die schon ein paar Tage auf den Buckel haben, können sich nicht mehr so gut verformen und verbiegen, wie die jungen Hüpfer. Wenn sie nun durch die Milz strömen, gelangen sie irgendwann in die Sinusräume. Um wieder in ein Blutgefäß zu kommen, müssen sie sich durch Mini-Poren quetschen. Das können die alten Erythrozyten nicht mehr, sie bleiben also hängen. Hier werden sie nun von den weißen Blutkörperchen (z.B. Makrophagen) verspeist, man nennt das auch „Phagozytose„. Das Hämoglobin, der rote Farbstoff, wird aufgeteilt in Häm und Globin, das Häm wird zu Bilirubin weiter verarbeitet. Bilirubin ist übrigens der gelbe Farbstoff unseres Körpers, wenn wir hiervon zu viel haben, bekommen wir die Gelbsucht/ Ikterus. Auch hierüber habe ich einen Beitrag geschrieben, schau gern mal rein! Das Eisen wird an ein Transportprotein gehängt und sofort weiterverarbeitet.
Die Milz als Blutspeicher
Stell Dir einmal folgende Zahlen vor: Die Milz macht lediglich 0,3% des Körpergewichts aus, bekommt aber ganze 3-5% des Gesamtbluts! Vor Allem werden hier die sogenannten Thrombozyten (Blutplättchen) gespeichert, welche für die Blutgerinnung zuständig sind. Außerdem, wie oben bereits beschrieben, finden auch die Leukozyten hier ihren Platz zum Ausruhen. Ganze 25% des lymphatischen Gewebes eines Menschen befindet sich in der Milz!
Übrigens wird hier auch ein Teil der Blutzellen, bevor wir geboren werden, produziert, danach findet die sog. „Hämatopoese“ im Knochenmark und der Leber statt.
Was passiert bei einer
Milz-Entfernung?
Wenn man sich die ganzen wichtigen und tollen Aufgaben der Milz anschaut, denkt man, eine Splenektomie (Entfernung der Milz) sei lebensbedrohlich! Doch das stimmt zum Glück nicht. Unsere Wundermaschine hat noch andere Organe mit diesen Aufgaben bestückt, womit ein Wegfallen der Milz nicht ganz so dramatisch ist. Die Leber und auch das Knochenmark übernehmen nach der Splenektomie die Aufgaben der Milz.
Im Kindesalter hat die Milz noch einen höheren Stellenwert, da hier das Immunsystem erst noch reifen und lernen muss, so wie auch im Thymus. Wenn die Milz hier also schon entnommen wird, kann dies zu schwereren Komplikationen führen, als im Erwachsenenalter. Im Allgemeinen muss sich der Körper natürlich erstmal umstellen. Deswegen neigen die Betroffenen ohne Milz erstmal zu Infekten und Thrombosen. Dies klingt mit der Zeit jedoch ab.

Hi! Mein Name ist Anna, ich bin gelernte Physiotherapeutin und Heilpraktikerin und komme aus dem wunderschönen Hamburg. Mit diesem Blog will ich Dir all mein gelerntes Wissen aus dem Unterricht, den Skripten, Fachbüchern und Fortbildungen näher bringen. Denn ich finde: Medizin sollte einfach und verständlich erklärt werden! Viel Spaß beim Durchstöbern! 🙂



