Mitralklappeninsuffizienz
und -stenose
Die Mitralklappe ist die Segelklappe unseres Herzen, die am häufigsten von Klappenfehlern betroffen ist, meist durch eine Mitralklappeninsuffizienz. Sie liegt zwischen der linken Kammer und dem linken Vorhof und lässt das Blut in der Diastole vom Vorhof in die Kammer fließen. Wenn Du erstmal die Grundlagen des Herzens verstehen möchtest, kannst Du gern meine Beiträge über die Anatomie des Herzen und die Physiologie des Herzen lesen!
Wir schauen uns jetzt erstmal an, was ein Klappenfehler überhaupt ist und tauchen dann ab in die Mitralklappeninsuffizienz, sowie die Mitralklappenstenose, let’s go!
Klappenfehler
Unsere Herzklappen sind grob gesagt dafür da, das Blut im Herzen zum richtigen Zeitpunkt in die nächste Station zu schicken. Dies passiert passiv durch den vom Blut bzw. der Herzmuskulatur ausgeübten Druck. Wenn die Vorhofmuskulatur beispielsweise anspannt, versetzt das die Segelklappen durch das in den Vorhöfen befindliche Blut so sehr unter Druck, dass sie nachgeben und das Blut in die Kammern passieren lassen. Zwischen Vorhöfen und Kammern liegen die Segelklappen (Mitralklappe und Tricuspidalklappe), zwischen Herz und abführenden Arterien liegen die Taschenklappen (Aortenklappe und Pulmonalklappe). Im Grunde genommen können alle dieser Klappen von Klappenfehlern betroffen sein.
Klappenstenose
Hier kann sich die Klappe nicht mehr richtig öffnen, sie lässt also nicht mehr genügend Blut durch. Hinzu kommt, dass das Herz so sehr gegen den Druck ankämpfen muss, dass es dadurch zusätzlich eine Herzinsuffizienz entwickeln kann.
Klappeninsuffizienz
Bei einer Insuffizienz passiert das Gegenteil; Die Klappe kann nicht mehr ordentlich schließen, womit das Blut immer hin und her pendeln kann, man nennt es dann auch „Pendelblut„. Das bringt das Herz natürlich ziemlich durcheinander, es will ja die normale Menge an Blut weiterbefördern, und letztlich kann auch hier eine Herzinsuffizienz entstehen.
Mitralklappenstenose
Sie entsteht fast immer durch eine vorangegangene (10 bis 20 Jahre) rheumatische Endokarditis mit Befall der Mitralklappe. Dadurch verkleben die Segel und engen somit (manchmal auch noch zusätzlich durch Verkalkungen) die Öffnung zwischen linkem Vorhof und linker Kammer ein. Es kommt meist zu einer Erweiterung des linken Vorhofs (Dilatation), da dieser nun die ganze Zeit mehr Blut tragen muss und sich so ausdehnt.
Symptome
Betroffene haben oft sogenannte „Mitralisbäckchen„. Ihre Wangen sind dabei rot gefärbt, während die Lippen eher bläulich aussehen. Das kommt daher, dass die Durchblutung des Gesichts nicht mehr physiologisch abgedeckt ist. Als Nächstes kann man sich vorstellen, dass das Blut, welches nicht mehr vollständig aus dem linken Vorhof kommt, ja irgendwo hin muss. Es kommt ja nun mal auch immer mehr Blut aus dem Lungenkreislauf, dem rechten Herzen und dem Körperkreislauf dazu. Deswegen staut es sich als Folge in den Lungenkreislauf auf. Dies wiederum führt zu Symptomen wie Atemnot, Husten, teilweise sogar mit blutigem Auswurf.
Im weiteren Verlauf der Krankheit, vor Allem, wenn sie nicht behandelt wird, kann es zusätzlich zu Rechtsherzsymptomatiken kommen. Diese sind unter Anderem Ödeme in den inneren Organen, sowie eine Halsvenenstauung.
Diagnostik
Neben dem Befund dieser klinischen Zeichen, hört der Arzt/ die Ärztin das Herz natürlich auch ab (Auskultation). Hierbei können einige Auffälligkeiten auftreten: Zum Einen ein sogenannter Mitralisöffnungston. Dies ist ein pathologisches Herzgeräusch, welches wir nicht haben wollen. Es entsteht dadurch, dass die Klappe an ihre einengenden Grenzen schlägt. Zum Anderen kann man einen paukenden 1. Herzton hören. Normalerweise ist der 1. Herzton ein dumpfer, langer Ton, welcher durch das Zuschlagen der Segelklappen (also auch der Mitralklappe) zustande kommt. Nun besteht im linken Vorhof jedoch ein sehr großer Druck. Die Mitralklappe muss sich gegen diesen hohen Druck schließen und folglich entsteht dieses paukende Geräusch. Des Weiteren hören die Behandelnden bei der Auskultation ein sogenanntes Diastolikum. Dies ist ein Geräusch, welches während der Füllphase des Herzens entsteht und deutlich, während der gesamten Diastole, zu hören ist.
Zusätzlich zur Auskultation und Anamnese kommen natürlich ein EKG und/ oder Röntgen hinzu. Im Röntgen ist dann beispielsweise der ausgedehnte linke Vorhof sichtbar. Teilweise wird zudem noch eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt.
Mitralklappeninsuffizienz
Die Mitralklappeninsuffizienz bedeutet, dass sich die Mitralklappe nicht mehr richtig schließt, sie stellt also das Gegenteil zur Mitralklappenstenose dar. Durch den unvollständigen Schluss der Klappe fließt das Blut in den linken Vorhof zurück, es entsteht sogenanntes Pendelblut. Dies führt dazu, dass sich der linke Vorhof vergrößert und der Herzmuskel hypertrophiert. „Hypertrophie“ bedeutet, dass der Muskel pathologisch dicker wird, weil er die ganze Zeit versucht, das Pendelblut aus dem Vorhof zu pumpen. Das kann durch die nicht richtig schließende Klappe jedoch nicht funktionieren, ein Teufelskreis entsteht.
Meist entsteht eine Mitralklappeninsuffizienz durch einen Klappenprolaps (Mitralklappe ist zu groß gewachsen, sie wölbt sich während der Systole in den linken Vorhof), Herzinfarkt oder eine Dysfunktion der Papillarmuskeln, welche die Segelklappen davon abhalten sollten, sich frühzeitig zu öffnen.
Symptome
Oft kann der linke Vorhof durch seine starke Muskulatur die Symptome sehr lange hinauszögern. Eine deutliche Symptomatik zeigt sich daher manchmal erst nach 10 bis 20 Jahren, dann ist die Mitralklappeninsuffizienz natürlich auch schon chronisch. Es ergeben sich Symptome wie Atemnot bei Belastung, Schwindel und Zeichen einer Linksherzinsuffizienz (Lungenödem, Atemnot, Asthma cardiale…) . Auch hier entstehen die Lungenproblematiken durch den Rückstau des Blutes in den Lungenkreislauf und Mitralisbäckchen.
Diagnostik
Mitralklappeninsuffizienz
Auch hier fallen wieder einige Geräusche und Töne bei der Auskultation des Herzens auf; Zum Einen besteht ein sogenanntes Systolikum, welches sogar bis in die Achseln fortgeleitet werden kann (es entsteht durch den Rückstrom des Blutes in den linken Vorhof während der Systole). Dadurch, dass nur die Trikuspidalklappe, aber nicht die Mitralklappe schließt, ist der erste Herzton leiser. Zudem kann es zu einem gespaltenen 2. Herzton kommen; Die Aortenklappe im linken Herzen schließt nämlich früher, als die Pulmonalklappe im rechten Herzen.

Hi! Mein Name ist Anna, ich bin gelernte Physiotherapeutin und Heilpraktikerin und komme aus dem wunderschönen Hamburg. Mit diesem Blog will ich Dir all mein gelerntes Wissen aus dem Unterricht, den Skripten, Fachbüchern und Fortbildungen näher bringen. Denn ich finde: Medizin sollte einfach und verständlich erklärt werden! Viel Spaß beim Durchstöbern! 🙂


