Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System

Ich erkläre Dir kurz, worum es beim RAAS geht und wozu unser Körper dieses System braucht. Wenn man sich das mal auf der Zunge zergehen lässt… Renin-Angiotensin-Aldosteron-System… hört sich das ganz schön kompliziert an! Ich bin mir aber sehr sicher: Du wirst staunen! Und: Es ist nicht so schlimm, wie es sich anhört, versprochen.

Wo ist das RAAS?

Der anfängliche Motor dieses Wundersystems befindet sich in der Niere, genauer genommen im Juxtaglomerulären Apparat (JGA). Das ist ein Zellhaufen, welcher am Gefäßpol des Glomerulums sitzt (Teil eines jeden Nierenkörperchens und davon haben 1-2 Millionen!!!). Es hat dann Einfluss auf unseren gesamten Körperkreislauf.

Was macht das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System?

Es beginnt alles damit, dass wir einen zu niedrigen Blutdruck haben. Das kann passieren, wenn wir nicht genügend getrunken haben oder, in schlimmeren Fällen, einen starken Blutverlust erlitten haben.

Dann fangen die Zellen im JGA an, Renin auszuschütten. Das ist ein Enzym, welches hormonähnlich ist (deswegen wird es auch oft als „Hormon“ bezeichnet). Renin spaltet nun ein Eiweiß von dem sog. Angiotensinogen ab. Angiotensinogen kommt übrigens aus unserer Leber. So entsteht Angiotensin I. Dieses wiederum wird von dem Enzym ACE (Angiotensin-Converting-Enzym, Fun Fact: Das stammt unter Anderem aus der Lunge) noch einmal gespalten, es entsteht Angiotensin II. Angiotensin II bewirkt zum Einen, dass sich unsere Gefäße zusammenziehen (Vasokonstriktion) und, dass wir Durst bekommen. Also: Das Blutvolumen steigt dadurch, dass wir trinken und der Raum in den Gefäßen wird kleiner, der Blutdruck erhöht sich also insgesamt. Angiotensin II hat aber auch noch eine andere Funktion: Es führt zur Ausschüttung von ADH (wieder ein Hormon) aus unserem Hypophysenhinterlappen. Die Ausschüttung von ADH führt zu einer weiteren Vasokonstriktion, also einer Verkleinerung des Gefäßlumens.

Doch wo bleibt denn jetzt das Aldosteron? Das wird von unserer Nebennierenrinde ausgeschüttet. Es sorgt für eine erhöhte Rückresorption von Natrium und damit auch Wasser in die Kapillaren. Also wieder mehr Blutvolumen, was zur Blutdrucksteigerung führt.

Gar nicht so schwer, oder? 🙂

Wann startet das RAAS und wann hört es wieder auf zu wirken?

Zuerst einmal gibt es vier Bedingungen, wann das RAAS gestartet wird:

  1. Hyponatriämie: Zu wenig Natrium im Blut bedeutet vereinfacht zu wenig Anziehungskraft zum Wasser, denn Na+ bindet H2O. Wasser wird also nicht in den Gefäßen gehalten, was zu einer Minderung des Blutvolumens führt.
  2. Der systolische Blutdruck liegt unter 80mmHg. Kurz nochmal zur Erinnerung: Die Norm ist 120mmHg.
  3. Es besteht eine Stenose in der Nierenarterie (also in der blutzuführenden Arterie), somit senkt sich wieder der Blutdruck innerhalb der Niere
  4. Sympathische Fasern der Niere werden gereizt. Der Sympathikus sorgt für eine Flucht-oder-Kampf-Situation in unserem Körper, der Blutdruck muss also hochgekurbelt werden, damit alles voll funktionsfähig ist! Näheres zum Sympathikus und Parasympathikus habe ich im Blog-Beitrag zum Thema Asthma geschrieben, hier kannst Du es nochmal nachlesen.

…Wann das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System wieder aufhört zu wirken:

Ganz einfach: Es wird allein durch die Ausschüttung von Angiotensin II und Aldosteron gehemmt. Falls doch noch weiterhin Bedarf bestehen sollte, schüttet der JGA weiterhin Renin aus und das RAAS wird weiterhin bestehen. Sobald die Produktion von Renin aufhört, wird es also gestoppt. Rein biochemisch liegt es allerdings am Angiotensin II bzw. Aldosteron.

Falls Du noch ein wenig visuelle Reize für Dein Verständnis brauchst: hier wird das RAAS kurz und knackig in einem Video erklärt.

RAAS: Renin-Angiotensin-Aldosteron-System