Gallensteine (Cholelithiasis)

Gallensteine sind eine kleine Volkskrankheit – jeder zehnte Mensch ist betroffen. Oft ist es ein Zufallsbefund, da das Steinleiden zu 80% symptomfrei bleibt, man merkt sie in den meisten Fällen also gar nicht. Da die ganze Steinentwicklung auch mit Östrogen zu tun haben kann, sind Frauen doppelt so häufig betroffen, wie Männer. Warum und weshalb erkläre ich Dir jetzt, let´s go!

Entstehung von Gallensteinen

Die Gallensteine entstehen meist durch einen erhöhten Cholesterin-Wert im Blut. In meinem Beitrag zu Leber habe ich bereits beschrieben, dass diese dafür da ist, die Gallenflüssigkeit zu bilden und sie dann über die Gallengänge zur Gallenblase zu befördern. Außerdem produziert die Leber Cholesterin. Wenn wir nun zu viel Cholesterin durch die Nahrung aufnehmen, „sortiert“ die Leber das überschüssige Cholesterin aus und es besteht ein erhöhter Cholesterin-Gehalt im Blut und folglich auch in der Gallenflüssigkeit, den Gallengängen bzw. der Gallenblase.

Die vorerst kleinen Kristalle bestehen jedoch nicht nur aus Cholesterin, zu 90% sind sie Cholesterinmischsteine ( >50% Cholesterin, der Rest ist Bilirubin oder Kalzium).

Ursachen der Gallensteinbildung

Es gibt viele Ursachen für die Bildung von Gallensteinen, nicht nur das Übermaß an Cholesterin im Blut. Ich zähle hier nun einige auf, die am Gängigsten sind;

Hypercholesterinämie

Bedeutet: Zu viel Cholesterin im Blut! Grund für eine Hypercholesterinämie kann eine Fehlernährung, Stress oder auch Östrogendominanz sein. Östrogen wird von Cholesterin transportiert, wenn zu viel Östrogen da ist, muss also auch mehr Cholesterin zum Transport bereitgestellt werden.

Zu viel Bilirubin

 Manche Gallensteine sind Bilirubinsteine! Bilirubin ist grob gesagt der Farbstoff des Urins, es entsteht beim Abbau der roten Blutkörperchen. Wenn wir ein erhöhtes Absterben unserer roten Blutkörperchen haben, entsteht auch mehr Bilirubin (diese Krankheit nennt sich dann „hämolytische Anämie„). Dieses gelangt in die Leber, um weiter verarbeitet zu werden und schließlich durch die Gallenflüssigkeit in den Darm transportiert zu werden. Ein dermaßen hoher Gehalt an Bilirubin kann von der Leber jedoch nicht mehr verarbeitet werden und bleibt dann folglich in den Gallengängen/ im Blut, es kann zur Steinentwicklung kommen.

wenig Gallensäure

Wie in meinem Beitrag zur Gallenblase bereits beschrieben, besteht die Gallenflüssigkeit u.A. aus Gallensäure, welche aus Cholesterin gebildet wird. Sie ist dafür zuständig, Fette und Bilirubin in Lösung zu halten, damit diese über die Darmschleimhaut aufgenommen werden können. Wenn bspw. der enterohepatische Kreislauf (zwischen Darm und Leber = Recycling der Gallenflüssigkeit) gestört ist, wird weniger Gallensäure in die Leber zurück transportiert. Die Gallensäure kann also nicht mehr das Bilirubin und auch nicht das Cholesterin in Lösung halten, es entstehen Kristalle.

Entzündliche Prozesse in der Gallenblase/ den Gallengängen

 Bei Entzündungen im Körper wird immer eine Kaskade ausgelöst, die für die Bekämpfung der Entzündung zuständig ist. Viele Immunzellen sorgen dafür, dass sich der Herd verkleinert, bis er gänzlich bekämpft wurde. Bei beispielsweise einer Gallenblasenentzündung kann es durch chemische Reaktionen zu einer Verkalkung kommen, die dann zur Entstehung von Gallensteinen führen kann.

Risikofaktoren allgemein: die 6 F´s!!!

Die 6 F´s sind Risikofaktoren für so manche Krankheiten, darunter auch das Gallensteinleiden. Sie bedeuten: Forty (über 40 Jahre alt), female (weiblich), fertile (fruchtbar/ in der Schwangerschaft), fat (übergewichtig), family (genetische Disposition, viele in der Familie leiden auch darunter), fair (heller Hauttyp und blondes Haar – ist aber umstritten)

Natürlich stellen auch einige Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko dar, Beispiele sind Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenunterfunktion.

Gallensteine

Symptome bei Gallensteinen

Wie ich oben bereits erwähnt habe, bleiben die Gallensteine zu 80% symptomlos, die Betroffenen merken sie also nicht. Man nennt sie dann auch „stumme Steine“.

Wenn sie dann doch mal Symptome machen, endet das meist in einer Gallenkolik, es entstehen sehr schlimme Schmerzen im rechten Oberbauch mit Ausstrahlungen in den Rücken und ins rechte Schulterblatt. Vielleicht hast Du schon mal gehört, dass rechte Schulterschmerzen auf eine Gallenblasenerkrankung hindeuten können. Der Grund ist eine nervale Verbindung zwischen dem Organ und dem rechten Schulterblatt.

Zudem können natürlich auch Verdauungsstörungen auftreten, die Gallenflüssigkeit ist ja nun mal für die Verdauung mitverantwortlich. Hier wird meist eine Fettunverträglichkeit wahrgenommen. Übelkeit/ Erbrechen, Völlegefühl oder Blähungen können dazu kommen. Vegetativ deuten sich Schweißausbrüche oder sogar ein Kreislaufkollaps an (durch die starken, unerträglichen Schmerzen).

Die Ärzte/-innen checken die Gallenblase ab, indem sie das sog. Murphy-Zeichen testen. Hier drückt man bei der Ausatmung auf die Gallenregion, wobei meist noch keine Schmerzen entstehen. Wenn der Patient/ die Patientin jedoch ausatmet, entstehen plötzliche, starke Schmerzen, sodass die Ausatmung reflektorisch gestoppt wird. Das deutet dann auf eine Gallenkolik hin.

Zur weiteren Untersuchung werden natürlich noch bildgebende Verfahren hinzugezogen, wie eine Sonografie. Außerdem gibt es noch die ERCP (Endoskopisch-retrograde  Cholangiopankreatikographie), bei der Ärzte/-innen die Gallensteine sowohl in den Gallen-, als auch in den Bauchspeicheldrüsengängen feststellen können.

Gallensteine: Allgemeinmedizinische Therapie

Bei stummen Steinen macht man natürlich nichts besonderes, außer auf die Ernährung zu achten und sich etwas mehr um seine Gesundheit allgemein zu kümmern. Sofern es jedoch zu einem symptomatischen Gallensteinleiden kommt, müssen andere Maßnahmen herangezogen werden;

Die medikamentöse Steinentfernung wird heutzutage nur noch selten angewandt und auch die Stoßwellentherapie ist bei nur wenigen Patienten/-innen angebracht (Die fetthaltigen Steine, also die Cholesterinsteine, können durch die Stoßwelle nicht zerstört werden).

Wenn man bei bereits auftretenden Symptomen einen Gallenstein entdeckt hat, wird der Stein, sowie auch die Gallenblase meist direkt entfernt, das nennt sich dann „Cholezystektomie“. Auch, wenn die Symptome erstmal wieder zurück gehen, wird operiert, denn leider kommen die Steine ohne OP immer wieder.

Gallensteine: Alternative Therapiemöglichkeiten

Natürlich treffen die nächsten Punkte nicht auf eine Gallenkolik zu! Falls Du also kolikartige Schmerzen im Bauch spürst (egal, wo im Bauch), gehe bitte schnellstmöglich zum Arzt/ zur Ärztin!

Die naturheilkundlichen Verfahren stellen heute bereits einen (auch bei den Ärzten/-innen) bekannten Weg zur Behandlung nach einer Gallen-OP oder bei wiederkehrenden Gallensteinleiden dar. Zu ihnen gehören:

Ernährungstherapie

Klar oder? 😉 Fettreiche Nahrung sollte natürlich vermieden werden! Man sollte außerdem darauf achten, viele Ballaststoffe zu sich zu nehmen, da diese der Steinbildung entgegenwirken. Also: Vollkornprodukte wie Vollkornbrot, -nudeln, -reis oder auch Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Gemüse. WICHTIG: Fasten ist nicht zu empfehlen, da hier weniger Gallenflüssigkeit gebildet wird, welche wir aber benötigen! Also lieber gute Vollkornprodukte!

Mikrobiologische Therapie

Das bedeutet, dass man Deine Darmbakterien untersucht. Oft ist die Bildung von Gallensteinen ja ein Effekt einer schlechten Zusammensetzung der Galle, welche wiederum in der Leber produziert wird. Wenn die Bakterien im Darm nicht vernünftig arbeiten, kann auch die Leber schlechter arbeiten. Also: Stuhlprobe bei einem Heilpraktiker/-in abgeben und checken lassen, ob dort alles in Ordnung ist. Wenn nicht, wirst Du bestimmte Probiotika bekommen, die deine Darmflora wieder ins Gleichgewicht bringt.

Phytotherapie

Die wichtigsten Pflanzen beim Thema Gallenblase sind Löwenzahn und Artischockenblätter. Sie wirken einerseits fördernd auf die Leber (es entsteht also mehr Gallenflüssigkeit) und andererseits wirken sie auch stimulierend auf die Gallenblase, sodass sie die Gallenflüssigkeit vermehrt ausscheidet. Krampflösend wirken Schöllkraut, Schafgarbenkraut oder Pfefferminzblätter. Pfefferminz ist übrigens auch antiviral unterwegs und regt zudem die Sekretion der Gallenflüssigkeit an!

Aromatherapie

Zur Bekämpfung von einem zu hohen Cholesterinspiegel kann man Zitronengras in einer Kapsel zu sich nehmen oder auch Muskatellersalbei- und Strohblumenöl auf den rechten Oberbauch, sowie auf die Reflexpunkte zur Leber an den Füßen auftragen.

Hier gelangst Du nochmal zu einem schönen Video über die Gallensteine!

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